09.08.2017

Fristverlängerung CfP 17. Workshop des NTF (Tübingen, 5./6. Okt.)


17. Workshop des Netzwerks Terrorismusforschung

Veranstaltungsdatum: Do., 05.– Fr., 06. Oktober 2017

Neue Einreichfrist für Beitragsvorschläge: 04. September 2017

Veranstaltungsort: Alte Aula, Institut für Erziehungswissenschaften, Eberhard Karls Universität Tübingen

Schwerpunktthema: Ästhetiken und Poetiken des Terrorismus
(Gerne können davon abweichende Fragestellungen und Forschungsarbeiten ein­gereicht und präsentiert werden)


Zum Thema:

Der Ansatz, politischen Extremismus und Terrorismus als geistige (hinsichtlich der inter­nationalen Entwicklung mehr und mehr auch „geistliche“) Formationen und Akte der Lek­türe politischer, soziologischer und ästhetischer Texte zu betrachten, fand bisher wenig öffentliches Interesse. Dabei verweist die Verwendung literari­scher Motive und Formen im Kontext des Formierungs- und Radikalisierungspro­zesses – wie die des sozialrevolutionä­ren Linksterrorismus in der BRD in den 1970er Jahren – insbesondere auf die handlungs­anleitende Rolle künstlerischer, theoretischer und politisch-programmatischer Texte.

Literarische Texte können sowohl Einblick geben in die Mechanik der Ideologisie­rung und Emotionalisierung des Einzelnen, als auch die Tiefenstrukturen der Dy­namik terroristi­scher Gruppierungen aufzeigen, indem sie deren Gefühle artikulie­ren und dokumentieren. Diese Texte können aber auch, „radikal“ gelesen, jeder­zeit und überall neu „gezündet“ werden. So finden sich in der Stammheim-Biblio­thek der RAF neben mehr als tausend programmatischen Schriften auch Klassiker von Flaubert, Brecht, Genet und Melville – und wie auch später Osama bin Laden studierten sie Texte des Sprachwissenschaftlers Noam Chomsky.

Der Workshop möchte mit seinem Schwerpunktthema das dialektische Verhältnis von Sprache als Handlung und Handlung als Sprache untersuchen und stellt damit den schmalen Grat zwischen Sprachgewalt, Gewaltfantasie und externalisierter Gewalt ins Zentrum. Über welche Texte sind terroristische Gruppen miteinander verbunden? Welche Rolle spielen Manifeste und Bekennerschreiben als Binde­glied von Theorie und Praxis, von Autor und Tat? Welche Rolle spielen poetische, fiktionale und programmatische Texte in der Entwicklung extremistischer und ter­roristischer Organisationen? Welche Möglich­keiten der Einflussnahme gehen von ihnen aus? Wie wirken sich (gemeinsame) Lektüre­erfahrungen auf die Genese von Gewalt- und Terrorakten aus? Inwiefern gestalten sie diese mit – und inwie­fern spielen weitere medialen Formen und „Sprachen“ eine Rolle?

Im Fokus des Workshops steht in diesem Sinne die Frage nach den „Ästhetiken“ und „Poetiken“ von Terrorismus im 20. und 21. Jahrhundert: sowohl nach den möglichen geis­tigen „Verursachern“ im Bereich der Kunst und der Literatur, als auch nach der Produktion und der Bearbeitung und Darstellung von Terrorismus.

Wie üblich bei den Workshops des NTF können gerne auch Fragestellungen und Forschungsarbeiten unabhängig vom Schwerpunktthema eingereicht und präsen­tiert werden.


Beiträge und Deadline:
Das Netzwerk Terrorismusforschung richtet sich an Fachleute und Wissenschaft­lerInnen, die zum Thema Terrorismus und politische Gewalt arbeiten und forschen. Besonders promovierende WissenschaftlerInnen werden ermutigt, ihre Projekte, Arbeiten und The­sen vorzustellen. Präsentationen sollten ca. 20-30 Minuten umfassen und im Anschluss Gelegenheit zur Diskussion bieten.

Interessierte sind aufgerufen, ein Abstract im Umfang von ca. 500 Wörtern zu formulie­ren. Vortragssprachen sind Deutsch oder Englisch.

Die Abstracts senden Sie bitte bis zum 4. September 2017 an Isabelle Holz, isabelle.holz@uni-tuebingen.de. Feedback erhalten alle EinsenderInnen bis zum 10. Sep­tember 2017. Eine Anmeldung von NTF-Vereinsmitgliedern sowie von externen Gästen wird bis zum 15. September erbeten.



Programm:
Das Programm des Workshops (inkl. Wegbeschreibung, Unterkunftsliste etc.) wird Mitte September an die TeilnehmerInnen verschickt und auf der Internetseite des NTF unter http://www.netzwerk-terrorismusforschung.org veröffentlicht.

Teilnahmebeitrag:
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Eine Teilnahme ohne Vortrag ist ebenfalls möglich. Die Übernahme von Reise- und Unterkunftskosten ist seitens des NTF e.V. leider nicht möglich. Alle teilnehmende Gäste und ReferentInnen bitten wir, sich indi­viduell zu organisieren.

Zum Netzwerk Terrorismusforschung:
Das Netzwerk-Terrorismusforschung (NTF) ist ein Zusammenschluss von mittlerweile über 400 jungen WissenschaftlerInnen und Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen, die sich mit Fragen und Problemen des Themenbereichs Terrorismus, Terrorismusprävention und Sicherheitspolitik befassen. Es soll Kontakte schaffen und als Forum dienen für Ideen- und Informationsaustausch, zur Vorstellung von Projekten sowie deren gemeinsa­mer Initiierung, Planung und Realisierung. Das zentrale Werkzeug ist neben der Website und dem Mailverteiler der halbjährlich stattfindende Workshop. Auf diesem können lau­fende wie abgeschlossene Arbeiten sowie Projekte präsentiert und diskutiert werden. Das Netzwerk Terrorismusforschung steht darüber hinaus Interessierten aus Medien, Verwal­tung und Politik offen und bei Anfragen – z.B. für den Kontakt mit Experten bei spezifi­schen Fragen – zur Verfügung.

Mehr Informationen unter www.netzwerk-terrorismusforschung.org

Kontakt:
Netzwerk Terrorismusforschung e.V.
HD Dr. Stephan G. Humer
Lietzenburger Str. 53, Büro 255
10719 Berlin
info@netzwerk-terrorismusforschung.org

Ansprechpartner für den 17. NTF-Workshop:
Isabelle Holz, isabelle.holz@uni-tuebingen.de
Dr. Bernd Zywietz, zywietzb@uni-mainz.de


21.04.2017

DIE HARD in Dortmund


Statt Terrorismus krimineller "Fake-Terrorismus": Vermutliche Hintergründe zum Anschlag auf BVB-Teambus erinnert an "Stirb-Langsam"-Hollywood-Szenario - in bezeichnender Weise 


Der Anschlag auf den Mannschaftsbus des Fußballvereins Borussia Dortmund scheint aufgeklärt – und zum jetzigen Stand weniger Terrorismus als eine Art „Fake-Terrorismus“. Hinter der dreifachen Bombenattacke und den merkwürdigen islamistischen Bekennerschreiben steckt offenbar ein 28-Jähriger, der observiert und bei Tübingen in einer Aktion der GSG-9 nun festgenommen wurde. Sergey W. soll aber nicht aus politisch- oder religiös- extremistischen Gründen gehandelt haben, sondern, ganz „unidealistisch“, aus rein kriminellen bzw. ökonomischen Eigennutz: Mit dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus am 11. April 2017 in Dortmund wollte W. für einen Kursverfall der BVB-Aktie an der Börse sorgen. Um davon zu profitieren, hat W. am Tag des Anschlags mit einem Verbraucherkredit sogenannte Put- oder Verkaufsoptionen erstanden. Mit diesen hätte er die Preisdifferenz zwischen der Höhe des Aktienhandelswerts und dem bei Fällig-Werden dieser Option eingestrichen. Tatsächlich sind die Anteile des Fußballklubs nach dem Anschlag gesunken – tiefer noch freilich wäre das sicherlich der Fall gewesen, wenn viele Mitglieder des Teams schwer verletzt oder gar getötet worden wären. So erlitt „lediglich“ Marc Bartra vor der Champions-League-Begegnung gegen AS Monaco u.a. einen Speichenbruch.

Aufsehen erregend ist W.s Plan nun nicht nur, weil es sich um eine überaus perfide, im höchsten Maße skrupellose Tat handelt, eine Kursmanipulation per Sprengstoffanschlag, die mit dem Tod von Menschen kalkuliert. Solche Gewinnaktionen wurden und werden auch bereits im Rahmen der Attacken des 11. September 2001 vermutet, allerdings waren diese, falls es sie gegeben hat, eher quasi-mafiöse Zusatzgeschäfte und nicht das Hauptmotiv. Darüber hinaus erinnert denn auch der BVB-Plan an den der STIRB-LANGSAM- bzw. DIE-HARD-Filme. Deren Held, der sarkastische Polizist John McClane (gespielt von Bruce Willis) kämpft im ersten, im dritten und im vierten Teil der wegweisenden Action-Reihe gegen Verbrecher, die je einen überbordenden Raub als Terrorismus tarnen, ihn gar durch mit solchen Vortäuschung erst ermöglichen.

So besetzen im ersten Teil von 1988, DIE HARD, ein Kommando hochgerüsteter Deutscher (die Nationalität wurde in der deutschen Filmfassung kaschiert) das Bürohochhaus eines japanischen Versicherungskonzerns in Los Angeles am Heiligabend, nehmen die Belegschaft auf ihrer Weihnachtsfeier als Geiseln und fordern die Freilassung diverser „politischer Gefangener“. McClane, barfuß, im Unterhemd und zunächst nur mit Dienstpistole bewaffnet, kann als einziger der Festsetzung entkommen und liefert sich eine Art Guerilla-Kampf gegen die „Terroristen“, die es tatsächlich aber nur auf die Dollar-Multimillion in Form von Schuldverschreibungen abgesehen haben, die im Tresor des Unternehmens lagern. Um diesen zu knacken und ihre Flucht zu tarnen, gerieren sich der feingekleidete Hans Gruber (mit exquisiter britischer Noblesse: Alan Rickman) und seine Gesellen als Politgewalt-Aktivisten. Das FBI-Einsatzprotokoll bei solchen Besetzungen sieht nämlich die externe Trennung des Gebäudes vom Hauptstromnetz vor (was einen Sicherheitsmechanismus des High-Tech-Safes ausschaltet) und das Chaos der finalen Groß-Explosion, die als missglückte Befreiungsaktion daherkommen soll, soll das heimliche Davon-Kommen der Verbrecher garantieren.

Ähnlich sind die Szenarien in den Fortsetzungen: In Teil 3 (DIEHARD WITH A VENGEANCE / STIRB LANGSAM – JETZT ERST RECHT) von 1995 inszeniert der Bruder des Gangsters aus dem ersten Teil (ein ehemaliger Stasi-Oberst) eine explosive Schnitzeljagd und Rache an McClane im sommerlichen Manhattan, um in deren Schatten die Federal Reserve Bank um ihre Goldreserven zu erleichtern; in Teil 4 (LIVE FREE OR DIEHARD / STIRB LANGSAM 4.0) von 2007 dient ein Cyber-Angriff auf die US-Westküste am Unabhängigkeitstag dazu, die gesamten Computertransaktionsdaten des Finanzsektors zu erbeuten.

In Sachen Terrorismus ist DIE HARD nun weniger als Begründer eines eigenen Action-Subgenres relevant, das seine Vorläufer in Katastrophen- und Erpresserfilmen der 1970er-Jahre hatte, sondern viel mehr insofern, als dass der Terrorismus hier explizit keiner ist bzw. nur eine vorgetäuschter. In der Romanvorlage des ersten STIRB-LANGSAM-Teils, in Roderick Thorps „NothingLasts Forever“ (erschienen 1979) sind es noch „echte“ europäische Sozialrevolutionäre mit Kalaschnikows und der besetzte Wolkenkratzer ist der eines Öl-Konzerns. Die Umwandlung in „kapitalistische“ Gangster in der Kino-Version ein Jahrzehnt später verweist darauf, wie der internationale palästinensische und der New-Left-Terrorismus der RAF, Roten Brigaden etc. als erzählerisches und alltagsjournalistisches Allgemeingut bekannt und – mehr noch – internationaler Terror zum Alltagsphänomen geworden war (nicht zuletzt dank Iran und Libyen als damals neuen sponsor-states).

Dass die Verbrecher sich diesen Terrorismus quasi selbst zu eigen und zum „Fake-Terrorismus“ machen, um auf die eingeübten (Über-)Reaktionen zu spekulieren (neben dem überheblichen FBI wird auch die Terrorismusberichterstattung vorgeführt inklusive dem tatsächlich auf DIE HARD zurückzuführenden Falschfachbegriff „Helsinki- Syndrome“ statt „Stockholm-Syndrom“) weist sie als Zeit-Zeichen in noch einer weiteren Hinsicht aus: Hans Gruber und Co. sind fast satirische Manifestationen eines als rücksichtslos erlebten, ungehemmten und zynischen Wirtschaftsliberalismus in der Ära Ronald Reagans und Margaret Thatchers, der unregulierten, gewinngeilen Dominanz des Kapitals und der Konzerne, der Banken und Börsen kurz vor dem Ende der Geschichte (sprich: dem Fall des kommunistischen Ost-Systems).

Dass und wie nun im Kleinen, in Dortmund, aber auch: in der Realität derlei kriminelle DIE-HARD-Logik samt ihrem Kalkül und dem Fokus auf die Medien- und Börsenreaktionen nachgespielt worden ist, lässt die BVB-Tat einmal mehr wirken als so etwas wie der Einbruch der Fiktion (oder des Hollywood-Kinos) in die Wirklichkeit, wie man dies angesichts seiner Katastrophen-Bilder auch für den 11. September ausgemacht hat – wenn in Dortmund nun auch eher auf Ebene des „Plots“ oder der „Story“.

Es wirkt aber auch signal- oder symbolhaft, zeigt auf – wenn man es so lesen mag –, wie sehr sich die 2010er-Jahre in gewissen Problemlagen und Mentalitätssituationen den 1980ern ähneln. Neben den Auswüchsen des (Finanz-)Kapitalismus und der sich popularisierenden Kritik daran infolge der Banken- und EU-Krise ist es der Terrorismus, der mittlerweile von Radikalislamisten (v.a. von oder im Namen des sog. „Islamischen Staats“) ausgehend in Westeuropa ebenso „angekommen“ ist wie der internationale Terrorismus als B-Movie-Story- und Figuren-Stereotyp in Hollywood.

Sergey W., als Tatverdächtiger, erscheint so betrachtet als Schmalspur-"Hans Gruber", der nicht nur im Windschatten von Terrorismusbedrohung und Web 2.0-Nachrichtenhochgeschwindigkeit Geld machen möchten, sondern direkt mit und durch sie. Im Fahrwasser "echter" Terroristen wollte er ganz unideologisch – ähnlich der rein kommerziell orientierten, kleinunternehmerischen Fake-News-Profiteure u.a. aus Mazedonien – das Beste aus öffentlicher Unsicherheit und Ängsten bis hin zur Hysterie machen: sein Geld. Eine Entleerung, die parallel läuft zu realen Terrorismuskonflikten, in denen nach einer Phase, in der zunächst im weiteren Sinne idealistisch motivierte und legitimierte Akteure auf allen Seiten mehr und mehr parasitär ergänzt oder gar ersetzt werden von solchen, die lediglich auf den eigenen Vorteil aus sind, in welcher Form auch immer.

Dass dieser Post-Idealismus des Scheinterrorismus auch im Gegenwartskino seinen Platz hat, zeigt der James-Bond-Film CASINO ROYALE (2006), der noch mehr vielleicht direktes Vorbild für Sergey W.s BVB-Idee war. Darin will der Terrorfinanzier LeChiffré (Mads Mikkelsen) die Aktienkurse einer Airline durch einen Anschlag auf dessen neues Großraumflieger bei der Einführungspräsentation auf dem Lufthafen von Miami in Keller stürzen, um am Kursverlust zu verdienen. In Dortmund gab es allerdings keinen Geheimagenten 007, der dies im letzten Moment verhindert hat. Geklappt hat es trotzdem nicht.


Mehr zu dem Thema „Fake-Terrorismus“ und den DIE-HARD-Filmen finden Sie in meinem Buch, einen Text zum „Virtuellen Terrorismus“ in STIRBLANGSAM 4.0 HIER.   

03.03.2017

Neue Ausgabe von "Perspectives on Terrorism" (1/2017)


Die erste Ausgabe im 11. Jahrgang des Online-Fachjournals Perspectives on Terrorism ist erschienen. Die Beiträge in Nr. 1 / 2017 befassen sich u.a. mit
- dem Geheimdienstapparat des "Islamischen Staats"
- der Einbindung von Frauen im IS
- terroristische Angriffe auf Kunst- und Kulturschätze 
- islamistischer Radikalisierung in Italien (empirische Studie)

Außerdem gibt es den zweiten Teil von Judith Tinnes Bibliografie zum Thema islamistische Narrativen und "westliche" Gegen-Narrativen.

Die einzelnen Texte wie die Gesamtausgabe von Perspectives on Terrorism finden sie als PDF oder in HTML-Form HIER.

zyw


24.02.2017

Faktor Bildung und die Rolle des Internets. Zur aktuellen „Analyse der Radikalisierungshintergründe und -verläufe“


Der Titel ist sperrig: Analyse der Radikalisierungshintergründe und -verläufe der Personen, die aus islamistischer Motivation aus Deutschland in Richtung Syrien oder Irak ausgereist sind. Doch mit dieser Veröffentlichung, die im Oktober vergangenen Jahres als "Fortschreibung 2016" vorgelegt wurde, präsentieren das Bundeskriminalamt (BKA), das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und das Hessische Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus (HKE) ein wichtiges Papier. Politiker wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière und die Chefs von Sicherheitsbehörden werden sich wieder in öffentlichen Auftritten auf die darin präsentierten Zahlen stützen, und die Massenmedien sie zu sozialer, kultureller und politischer Realität weiterverarbeiten, zur Beschreibung einer ordnenden Wirklichkeit.

Vor zwei Jahren habe ich mich (HIER) kritisch dazu geäußert. Nicht, was die Arbeit der Verfasser anbelangt, sondern was den Umgang damit betrifft, die Verkürzungen, Übertreibungen oder jene ungedeckten Interpretationen, die fast unweigerlich ein spezifisches Bild deutscher Dschihadismus-Reisender zeichnen, auf deren Basis wiederum Vorstellungen in den Köpfen geformt und Gegenmaßnahmen geplant und finanziert werden. Und man muss Statistiken nicht fälschen, um seine "alternativen Fakten" zu kreieren, es genügt die "richtige" Auslegung.

Die Informationsbasis der Untersuchung ist nun nochmals breiter und feiner geworden. Ausreisende von Januar 2012 bis Juni 2016 wurden erfasst, 784 Personen sind es, zu denen den Innensicherheitsbehörden (also: nicht der Bundesnachrichtendienst) Informationen vorlagen.

Das sind erheblich mehr als 2014 (378 Fälle) und lässt validere Aussagen zu. Nach wie vor muss aber festgehalten werden (was im Bericht auch geschieht), dass es sich lediglich um quasi eine Fragebogenaktion handelt, eine Zusammenführung bestimmter Informationen aus den Polizeibehörden der Länder und des Bundes sowie des BfV, möglichst einfach und unaufwendig – schließlich habe die Beamten im Alltag auch anderes, wichtigeres zu tun.

So ein Vorgehen ist natürlich legitim, nicht nur hinsichtlich Praktikabilität und Forschungsökonomie. Es ist jedoch, wie ebenfalls und fast entschuldigend erwähnt wird, eben keine tiefergehende qualitative Analyse der Lebensläufe. Und es sind vor allem Daten, die von vornherein unter dem Funktionalitätsaspekt der polizeilichen und geheimdienstlichen Arbeit entstanden. Die Analyse ist also vom Material her eine der Versicherheitlichungs- und Aufklärungsperspektive. Das kommt dann – auch explizit – zum Tragen, wenn es um die Radikalisierung geht: Deren Beginn wird informationell erst da angesetzt, wo sie für die entsprechenden Behörden signifikant werden. Das ist natürlich eine handfeste Einschränkung; Radikalisierungsprozesse starten aber meist schon vorher, was dann aber nicht oder nur indirekt ins „Wissens“-Raster fehlt. Auch das wird freilich  eingestanden, fällt aber gleichwohl ins Gewicht.

Zwei Punkte möchte ich an dieser Stelle näher betrachten, weil sie mir nicht nur für meine eigene Arbeit relevant und interessant erscheinen: Die der Bildung und die Rolle des Internets.

Generell gilt: Nicht zu jeder der fast 800 Personen liegen Informationen zu allen Aspekten vor, selbst wenn nicht nur die Fallzahlen, sondern auch die Infodichte zugenommen hat. So gibt es etwa nur von zwei Dritteln polizeiliche Vorkenntnisse (s. S. 18). Je ein Viertel dieser Personen (26 %) sind mit Gewaltdelikten „vorbelastet“. Das heißt aber eben nicht automatisch, dass ein Viertel ALLER Ausreisenden Gewalttäter waren bzw. sind. Nun liegt diese allerdings nahe – schließlich stammen die Angaben von den entsprechenden Behörden. Doch bei anderen Merkmalen kann und darf nicht so einfach auf die Gesamtzahl geschlossen werden.

Aufgrund dieser und weiterer, unten näher ausgeführter Bedingungen entlarvt denn auch diese Fortschreibung der „Radikalisierungsauswertung“ die Erzählung vom Dschihad-Reisenden, der zum Extremisten wird aufgrund sozialer und ökonomischer Ausgrenzung (oder eines entsprechenden „Versagens“ – als weniger freundliche Version dieses Deutungsmusters), zwar nicht als Mär. Sie liefert aber auch keine sonderliche Grundlage, die die hohe Präsenz eines solchen erklärenden (und bisweilen entschuldigenden) Narrativs rechtfertigen würde.

Unter dem Punkt 3.4 („Schule, Ausbildung, Studium und Beruf“) erfahren wir nämlich zunächst, dass lediglich zu 289 der Ausreisenden Informationen über ihren höchsten Hochschulabschluss vorliegen. Das sind ca. 37 % aller bekannten Fälle.

Von diesem 289 Personen hatten dabei (s. S. 16):
36 % das Abitur
23 % mittlere Reife (Realschulabschluss)
27 % Haupt- oder Volkshochschulabschluss. 

Vergleicht man gewagt diese Zahlen mit denen des Statistischen Bundesamtes, kann man also zur (freilich ebenfalls überzogenen oder gar haltlosen) Aussage kommen, dass diejenigen, die sich dem „Islamischen Staat“ anschließen, die Schnitt eher Bessergebildete sind.

Das ist wie gesagt ziemlich fragwürdig, ebenso aber (zumindest auf Basis der „Analyse der Radikalisierungshintergründe- u. Wege“) die Behauptung auf dieser Datengrundlage, der IS und andere Gruppen in Syrien und im Irak würden nur oder vor allem Bildungsverlierer anziehen.

Ähnlich verhält es sich mit Blick auf Studium und Ausbildung. Hier sind die Zahlen teils noch a) weniger belastbar und b) ebenfalls nicht für die „Loser“-Erklärung tauglich.

Informationen zur Ausbildung liegen zu 116 Personen vor (also nur knapp 15 % aller erfassten Personen), und von diesen haben 42 % eine Ausbildung abgeschlossen und 26 % eine vor der Reise begonnen. Nur ein Drittel (32 %) hat die Ausbildung abgebrochen – vermutlich ist bei so manchem davon eben die Ausreise bzw. die Radikalisierung der Grund dafür (und nicht die Folge).

Was auch nicht ins Bild des "Abgehängten" passt: Von 94 Personen ist bekannt (was also nicht heißt, dass es nicht doch mehr wären), dass sie vor der Reise ein Studium aufgenommen haben, 10 % davon (also 9,4 Personen?) haben es sogar abgeschlossen, 63 % kurz vor der Reise damit begonnen, 28 % abgebrochen (vermutlich auch wieder hauptsächlich wegen der Ausreise?). 

Zu 111 Personen liegen Erkenntnisse vor, dass sie berufstätig waren, von 166 ist bekannt, dass sie arbeitslos waren.

Weil die Darlegungen in der Untersuchung unübersichtlich geraten mit den unterschiedlichen Grundgesamtheiten, auf die sich die Prozentwerte beziehen, hier übersichtlich (nochmals: soweit bekannt! Oder aber: „mindestens“):

arbeitslos: 166 Personen (= 21,2 % aller Erfassten)
berufstätig: 111 Personen (= 14,2 % aller Erfassten)
Schüler (zur Zeit der Ausreise): 74 Personen (= 9,4 % aller Erfassten)
(ehem.) studierend / studiert: 99 Personen (= 13 % aller Erfassten)

Und statt: „Zwar Drittel aller Ausreisenden waren polizeibekannt“ kann es ebenso berechtigt heißen: „Zwei Drittel aller Ausreisenden waren in einer Berufsausbildung oder haben diese sogar abgeschlossen“. Ca. 60 Personen waren an einer Hochschule eingeschrieben (63 % der 94 Personen). Mit den 74 Schülern und den 30 Azubis lässt sich sagen, dass fast ebensoviele (formal) Arbeitslose nach Syrien und in den Irak ausgereist sind wie Menschen, die sich (formal) in einer schulischen, beruflichen oder akademischen Ausbildung befanden. Nochmals: Jedenfalls soweit dazu natürlich Zahlen überhaupt vorliegen.

Übrigens: 57 der Ausgereisten waren minderjährig (7 %).

Kommen wir zum Punkt der Radikalisierungsfaktoren und dabei speziell dem Internet. Hier liegen Informationen zu 572 Personen vor. Die Verfasser sind sehr vorsichtig bzw. relativierend in ihren Aussagen. Es ist die Rede von „Hinweisen“ auf Faktoren, die „mutmaßlich“ zu Beginn der Radikalisierung „relevant“ sind (S. 20). Dabei erfolgt keine Gewichtung, was bei Querlesen schnell zu einer Fehldeutung führen kann. Folgende Radikalisierungsfaktoren mit Prozentzahlen werden nämlich genannt:

An erster Stelle stehen Freunde (54 %), (einschlägige) Moscheen (48%), dann schon das Internet (44 %). Es folgen: sog. Islamseminare (27 %), Koran-Verteilungsaktionen wie die „Lies!“-Einsätze (24%), die Familie (21 %), sog. Benefiz-Veranstaltungen (6 %), Schulkontakte (3 %) und Kontakte im Gefängnis (2 %).

Diese Prozentangaben bedeuten nun nicht, dass „Freunde“ für 54 % der Radikalisierung verantwortlich seien o.Ä. Es bedeutet "nur", dass bei 54 % der 572 Fälle „Freunde“ ein „relevanter“ Radikalisierungsfaktor war. Gewichtungen bzw. Aussagen über die (anteilige) Relevanz der Faktoren im Radikalisierungsprozess sind also nicht gegeben – und darüber hinaus bleibt offen, wie „Relevanz“ hier definiert wurde, ob dafür überhaupt Kriterien formuliert sind und inwiefern zum Tragen kamen.

Unabhängig davon sind die Zahlen interessant, zumal wenn man davon ausgeht, dass es eine große Schnittmenge gibt zwischen einerseits „Freunden“ und andererseits „Koranverteilungsaktionen“, „Islamseminaren“ oder „Moscheen“ (die ich schließlich alle mit Freunden besuchen kann).

Teilt man zwischen Off- und Online-Faktoren auf, ergibt sich auf den flüchtigen Blick ein enormer Stellen- (oder zumindest: Zahlen-) Wert für das Internet. Hier die direkte Real-World-Erfahrung und Interaktion, dort die Digitale Welt, die fast in der Hälfte der bekannten Fälle eine bedeutende Rolle spielte. Tatsächlich heißt es gar: „Bei 17 Prozent dieser Gruppe [= die 249 Personen, bei denen das Internet eben relevanter Faktor war; B.Z.] ist ausschließlich das Internet als entscheidender Faktor bei Radikalisierungsbeginn bekannt geworden“ (S. 22). Das ist beachtlich.

Doch zum einen ist nicht klar, wie relevant das Internet ist (im Verhältnis zu den „Offline“-Erlebnissen und Interaktionen), zum anderen, was mit „Internet“ überhaupt gemeint ist. Zumindest werden hier verschiedene Dienste, Angebote, Funktionen und Nutzungsweisen auf problematische Weise vermengt und unter einen Begriff gezwängt, der nicht erst, aber spätestens seit dem Aufkommen des Sozialen Medien für solche Analysezwecke nicht mehr sonderlich taugt.

Während denn auch kleinteilig zwischen „Islamseminaren“, „Moscheen“, „Benefiz-Veranstaltungen“ und „Koranverteilungsaktionen“ etc. differenziert wird, wäre es mindestens ebenso sinnig (und ebenso politisch), auch auf der Seite des „Internets“ zu trennen: Einerseits die der Nutzung von E-Mails und Chat-Foren, von Skype, Facebook und Twitter als Techniken und Räume des kommunikativen Austauschs, der Selbstpräsentation und der Kontaktanbahnung einerseits. Und andererseits der Gebrauch des Netzes als Informationsquelle für Texte und Videos.

Natürlich sind die Grenzen fließend: das Social Web teilt sich vom Microblogging und -messenger bis zum Videodienst eine Menge überlappender, artverwandter und ergänzender Features, die zudem in unterschiedlicher Art und Bedeutung je unterschiedlich integriert, aufeinander abgestimmt und miteinander verschränkt sind. Wer will entscheiden, ob Facebook primär als Infoquelle oder als Medium der direkten Austauschs gilt, als Plattform oder Kanal?

Aber es ist eben doch ein Unterschied, ob bei Spiegel-Online oder einschlägigen, spezielleren Websites die neuesten Missetaten des Assad-Regimes rezipiert werden oder ob mittels Telegram und WhatsApp persönlich kontaktiert, später die Hidschra initiiert, geplant und organisiert wird. Entsprechend ist die einfache Abgrenzung zu „Freunden“ und „Islamseminar“ hinfällig, wenn ich mich mit meinen Freunden über das „Internet“ austausche oder das „Islamseminar“ in Online-Foren, in Videos und Kommentarspalten von YouTube stattfinden. Hier ist das „Internet“ virtuelles, zumindest digitales Pendant oder Verlängerung der „analogen“, der „Kohlenstoff“-Räume, dort eine ganz eigene Welt oder zumindest ein ganz eigenes Angebot. Dazwischen ist es oder kann es sein: ein Ersatz.

Dies impliziert der Befund der vorgelegten Analyse: die „Abnahme“ der Bedeutung des Internets im Radikalisierungsverlauf (auch wenn es zu diskutieren gälte, inwiefern hier konkret ein Bedeutungsrückgang zu konzipieren ist). „Offenbar ist in den meisten Fällen ein direkter persönlicher Austausch mit Gleichgesinnten für die weitere Radikalisierung bedeutsamer als der Konsum von extremistischer Internetpropaganda oder digitaler Kommunikation“ (S. 22).

Kurzum: Das „Internet“ ist vor allem in Sachen Radikalisierungsauftakt oder -einstieg ein Ort oder Werkzeug, den es genauer und differenzierter im Blick zu behalten lohnt.

Dass nun die "Analyse der Radikalisierungshintergründe und -verläufe" auch in ihrer Fortschreibung das nicht leisten kann, ist verständlich, weil schlicht eine solche genauere Erfassung bei den Behörden wohl nicht erfolgt und somit nicht weitergeleitet werden kann. Die "Internet"-Pauschalisierung, die sich auch in jüngerer Medienforschung noch findet und vielleicht akzeptabel (siehe etwa HIER, wo eingangs allerdings gar von der "Nutzung von Onlinemedien wie Computer, Internet, Handy und Social Media" die Rede ist), kann und muss aber gerade im Bereich der Radikalisierungsuntersuchung überwunden werden, insbesondere was statistische Daten anbelangt.

Bis dahin wäre allerdings schon viel gewonnen, wenn mit den bestehenden Informationen vernünftig und besonnen umgegangen wird.



zyw 

28.01.2017

TIPP: Podcast-Serie "Bilals Weg in den Terror" (rbb)


Die Audiopodcast-Serie "Serial" um den True-Crime-Fall der ermordeten Schülerin Hae Min Lee hat über die USA hinaus im Jahr 2014 dieser Online-Gattung nicht nur enorme Popularität und Anerkennung verschafft: Gerade als Form des journalistischen, vor allem investigativen Erzählens sorgte sie für Aufmerksamkeit für die Potenziale des Medienformats. Das lange und langsame Erzählen samt den O-Tönen, das in der schnelllebigen, durchvisualisierten Medienwelt (wieder) zum Zuhören zwingt oder verführt, verfügt über einen eigenen Reiz: Sowohl für die Zuhörer, die sich die einzelnen Folgen auch beim Autofahren oder beim Joggen zu Gemüte führen können, als auch für Journalisten: Schließlich eröffnet es die Möglichkeit, länger und mehrgliedriger, damit eingehender und eindringlicher in eine Story einzusteigen, dabei persönlicher zu werden und näher nicht nur an ihre Protagonisten, sondern auch intimer an das Publikum heranzurücken, als es mit abgeschlossenen Einzelreportagen und etwa im Fernsehen der Fall ist.

In Deutschland haben 2016 Sven Preger und Stephan Beuting mit der WDR-Dokureihe "Der Anhalter" sich in fünf Teilen mit dem Einzelschicksal des Trampers Heinreich befasst, über das  eindringlich das Thema des Kindermissbrauchs in Heimen in der Bundesrepublik der 1950er und 1960er Jahre behandelt wird. Und nun, ab 27. Januar 2017, geht es in vergleichbarer Weise um die Radikalisierung junger Menschen, die sich dem sog. "Islamischen Staat" anschließen.

"Bilals Weg in den Terror" heißt die - ebenfalls fünfteilige - Radio- und Podcast-Reihe, die Philip Meinhold für den rbb (Radioeins und rbb-Kultrradio) geschrieben und produziert hat. 2015 bereits hatte Meinhof für für Radioeins und Kulturradio die neunteilige Podcast-Serie "Wer hat Burak erschossen?" verantwortet. "Bilals Weg in den Terror" ist HIER auf der Website von Radioeins oder HIER auf der des NDR zu finden. Auch hier steht weniger ein Themenkomplex im Mittelpunkt, der allgemein von verschiedenen Positionen aus beleuchtet wird, sondern eine Person oder "Figur" und ihre Geschichte samt deren Facetten: Es geht um den jungen Florent, der aus Kamerun stammend, in Hamburg aufwächst und im Alter von 14 Jahren in die salafistische Szene gerät. Florent nennt sich Bilal, verteilt vor dem Hamburger Bahnhof Koran-Examplare im Rahmen der LIES!-Kampagne und reist 2015 nach Syrien in den bzw. zu dem "IS" aus. Zwei Monate später ist er tot - und sorgt für harsche wie erbärmliche Diskussionen darüber, ob die öffentliche Trauerfeier in der Hamburger St. Pauli Kirche, die im Mai 2016 stattfindet, für "so einen" in Ordnung ginge.

Mit dieser Trauerfeier eröffnet auch Meinholds Serie in der ersten Episode. Dabei will "Bilals Weg in den Terror" mehr sein als ein Dokudrama. Neben Angehörigen und Freunden sollen Mitarbeiter von Sicherheitsbehörden oder Islamisten zu Wort kommen, der Einzelfall also auch dazu dienen, Gründe, Motive und Prozesse von Radikalisierung ebenso zu beleuchten wie Unklarheiten im Fall Bilal selbst. Damit fügt sich "Bilals Weg in den Terror" in das in Buchform populäre Genre der Islamisten- und Dschihadisten-(Auto-)Biografien. Diese Bücher balancieren mal mehr, mal weniger gekonnt zwischen Betroffenheits- und Bekenntnisdrama, Empörungsgrusel angesichts eines "Unmenschen", den man, wie weiland den Serienmörder, wie die Bestie im Zoo aus nächster Nähe und doch aus sicherer Distanz begaffen kann - und eben echten Aufklärungs- und Verstehensbemühungen, die einen begreifenden und deutenden Blick auf ein Phänomen werfen wollen, wie ihn abstrakte,  verallgemeinernde Ansätze der Behörden, Politik und Wissenschaft nicht bieten können (und ggf. wollen).

Inwiefern "Bilals Weg in den Terror" auch dahingehend eine gelungene Podcast-Serie jenseits des emotionalen "Abholens" (oder "Mitnehmens") oder des journalistischen Handwerks ist, wird sich zeigen. Der Fall Florent/Bilal jedenfalls wurde bereits zur Prävention und Deradikalisierung genutzt: 2016 veröffentlichte die Hamburger Verfassungsschutz die Audiobotschaft des damals 17-Jährigen, der vom wahren Leben als IS-Rekrut aus Rakka berichtete, das mit der IS-propagierten Kalifat- und Kriegsromantik nichts zu tun hat (siehe HIER oder HIER). Die eigenen, glaubwürdigen Worten Bilal sollten so potenzielle Nachfolger von ihrem Weg in den Dschihad abhalten oder zumindest zum Nachdenken anregen.

Inwieweit diese Veröffentlichung (die mittlerweile von der hamburg.de-Seite verschwunden ist) tatsächlich präventiv gewirkt hat, wäre ebenso interessant, wie die Frage, ob und wie die Hör-Reihe "Bilals Weg in den Tod" in dieser Hinsicht Effekte zeigt und zeigen kann.

Eine Linkübersicht zur Online-Berichterstattung über den Fall Florent/Bilal finden Sie HIER, ein Interview mit Philip Meinhold zum Start von "Bilals Weg in den Terror" auf zeit.de HIER.

zyw