Hans Helmut Prinzler, ehemaliger Leiter der Stiftung Deutsche Kinemathek, des Berliner Filmmuseums und der Berlinale Retrospektive hat in seinem Blog mein Buch Terrorismus im Spielfilm - Eine filmwissenschaftliche Untersuchung über Konflikte, Genres und Figuren positiv besprochen.
Ein große Freude und Ehre!
Die Besprechung finden Sie HIER.
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16.09.2016
10.01.2016
Jetzt erschienen: TERRORISMUS IM SPIELFILM
Terrorismus im Spielfilm: Eine filmwissenschaftliche Untersuchung über Konflikte, Genres und Figuren ist nun im Januar 2016 bei Springer VS in Wiesbaden erschienen. Grundlage ist meine Dissertation, die 2013 an der Universität Tübingen (Institut für Medienwissenschaft) angenommen und verteidigt wurde.
Auf rund 600 Seiten befasst sich die Doktorarbeit, die für die Veröffentlichung stark bearbeitet und aktualisiert wurde, zentral mit
- der IRA und dem Nordirlandkonflikt im Film,
- dem Linksterrorismus im (west-)deutschen Kino,
- dem "Evil-Arab"-Stereotyp Hollywoods sowie
- politischen Konflikten Indiens v.a. in Bollywood-Filmen (v.a. Hindu-Muslim-Spannungen u. dem Kaschmir-Konflikt).
Dabei wurden jeweils auch geschichtliche, politische und mediale Kontexte berücksichtigt - sowohl die Konflikte wie die Spielfilme betreffend. So werden die Filme primär im Zusammenhang der jeweiligen gesellschaftlichen Terrorismus-"Stimmung" diskutiert.
Eine kleine Genre-Systematik, die erzählerische, dramaturgische und emotional-affektive Ansätze sowie Figuren-Typen herausarbeitet, baut auf diesen Einzelkonflikt- u. -kinematografie-Übersichten auf. Als theoretische Grundlage sind die Begriffe "Narrative" bzw. "Erzählungen" und "Frames" zentral. Allerdings verstehe ich bewusst diese Arbeit nicht in erster Linie als Terrorismusfilm-Theorie, sondern als explorative Studie, in die eine große Menge nicht nur eigener Filmbetrachtungen, sondern auch bestehender Texte eingeflossen ist, die in der Form noch nicht zusammengeführt und (auch kritisch) ausgewertet wurden.
Das Buch ist trotzdem (oder gerade deshalb) gedacht als Grundlagenwerk nicht zuletzt auch für Nicht-Film- u. -Medienwissenschaftler, die sich nur für einzelne Aspekte und Themen interessieren. Zudem entwirft es einen Ansatz, der für die Einordnung und Untersuchung weiterer Werke und (auch nicht-filmfiktionaler) Erzählungen zu den genannten sowie zu anderen Terrorismuskrisen und -konflikten dienen, der durchaus kritisiert, ergänzt bzw. weiterentwickelt werden kann.
Leider, aber naturgemäß konnte ich trotz des erheblichen Umfangs nicht alle relevanten und interessanten Filme sowie Gedanken, Beobachtungen und Schlüsse berücksichtigen und angemessen ausführen. Dementsprechend dient dieser Blog mit dazu, Ergänzungen, Korrekturen, Fortführungen und Hinweise zu Terrorismus im Spielfilm zu präsentieren. Beiträge diesbezüglich werde ich künftig unter der Rubrik "Zum Buch" hier veröffentlichen.
Terrorismus im Spielfilm: Eine filmwissenschaftliche Untersuchung über Konflikte, Genres und Figuren ist als gedrucktes Buch (etwa direkt HIER oder bei Amazon HIER) und als eBook zu beziehen. Über diverse Universitäts-Bibliothekssystem steht es als PDF für Studierende und Mitarbeiter kostenlos (v.a. auch zum Download) zur Verfügung - an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz etwa über diesen Link.
17.06.2014
TIPP: Buch zum NSU-Fall von Stefan Aust und Dirk Laabs
Man kann von Stefan Austs Der Baader-Meinhof-Komplex halten, was man will – das 1985 erstmals aufgelegte Buch fungiert als ein, wenn nicht gar als das Standardwerk zur RAF und ihrer Geschichte, zumindest, was die erste und zweite Generation anbelangt. Nun hat Ex-Spiegel-Chefredakteur Aust zusammen mit Dirk Laabs, Journalist und TV-Dokumentarist (u.a. DIE FREMDEN IM PARADIES - WARUM GOTTESKRIEGER TÖTEN; diesen Film von 2006 können Sie sich HIER auf Vimeo ansehen) ein Buch zum selbsternannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) der mutmaßlichen Täter Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe veröffentlicht. Heimatschutz – Der Staat und die Mordserie der NSU ist nicht das erste zu dem Thema, momentan mit über 800 Seiten wohl aber das umfangreichste.
Auf FAZ.NET hat Nils Minkmar das Buch besprochen und lobt
es nicht zuletzt für die gebotenen Einblicke in die Gemengelage der verschiedenen
Geheimdienste, die sich mit dem Rechtsextremismus und den Morden der NSU
befassten oder hätten befassen sollen.
„Eine der größten
Leistungen dieses Buches ist es, auf die Lücken in der offiziellen Version
hinzuweisen, ohne gleich mit neuen Theorien aufzuwarten“, so Minkmar, und:
„[E]s es bleibt eines
der anklagenden Rätsel dieser Geschichte, wie drei gesuchte Menschen wohlig in
der Republik wohnen, urlauben und feiern können, in einer – dies anschaulich zu
machen ist eine der großen Leistungen des Buchs – von Spitzeln nur so
durchsetzten Szene, ohne dass jemand davon erfahren konnte, wenn er es denn nur
wollte.“
Heimatschutz – Der Staat
und die Mordserie der NSU ist im Münchner Pantheon Verlag erschienen (ISBN 978-3570552025)
und kostet als in der Hardcover-Ausgabe 22,99 €, als Kindle Edition 18.99 €.
Einen weiteren Artikel von Claus Christian Malzahn auf
welt.de zu dem Buch, das „trotz seiner Detailgenauigkeit vor allem die ‚unknowns‘“
präsentiert, finden Sie HIER.
zyw
03.02.2014
BUCH: "Jihadi Violence" - Systematische Analyse al-Qaida-Statements
Andreas Armborst:
Jihadi Violence: A
study of al-Qaeda’s media.
(Schriftenreihe des Max-Planck-Instituts für ausländisches
und internationales Strafrecht – Kriminologische Forschungsberichte). Berlin:
Duncker & Humblot.
ISBN: 978-3-428-14049-7, 266 Seiten, Erscheinungsjahr: 2013.
€ 35,-
Einen eindrucksvollen Lebenslauf weist Dr. Andreas Armborst
auf: Neben einem Abschluss in Soziologie (Trier) und Kriminologie (Hamburg)
kann er u.a. als Arbeits-, Lehr- und Forschungsstationen die Universität der
Bundeswehr in Hamburg, das BKA, die Nebraska Crime Commission on Law
Enforcement and Criminal Justice oder das Institut für Sicherheits- und
Präventionsforschung der Uni Hamburg angeben. Seine hier vorgelegte, in
Englisch verfasste und also auf eine internationale Rezeption abzielende Studie
hat er am Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales
Strafrecht verfasst, an der dortigen International Max Planck Research School
on Retaliation, Mediation and Punishment. Doch als Motto stellt er der Schrift Jihadi Violence kein Zitat renommierter
Terrorismusexperten, politischer Denker oder sozialwissenschaftlicher Koryphäen,
sondern von Terry Pratchett voran, weltbekanntem Autor humorig-satirischer
Fantasy-Romane.
Pratchetts bizarr phantastische Scheibenwelt, von der das
Gros dessen Bücher handelt, wird getragen von vier kosmischen Elefanten; bei
Armborsts Untersuchung kann man quasi von fünf sprechen: fünf Teile, die als
solche nur teilweise ausgewiesen, die Arbeit lesenswert machen, auch wenn sie
dabei nicht völlig in einem heterogenen Ganzen aufgehen mögen und einige
Kritikpunkte anzubringen sind.
Armborst befasst sich mit der Propaganda al-Qaidas, wobei
der Titel falsche Erwartungen wecken könnte. Zum einen steht nicht (nur) der
Aspekt der Gewalt im Vordergrund, zum anderen befasst sich der Autor in seiner quantitativ-qualitativen
Analyse zwar in seinem Sampel nicht nur mit schriftsprachlichen Äußerungen
Aiman al-Zawahirs, Osama bin Ladens und Abu Jahja al-Libis, sondern auch mit
Video-Statements, doch werden diese nur transkribiert ausgewertet – die
audiovisuellen Eigenheiten bleiben, wie so oft bei Medieninhaltsanalysen, außen
vor [1]. Weniger die Medien werden also analysiert als deren Inhalte. Dafür hat
Armborst 103 Statement-Verschriftlichungen zwischen 2001 und Dezember 2009
gesichtet sowie anschließend auf einen 86 Äußerungen umfassenden Korpus weiter
reduziert, aus dem wiederum final für die Detailanalyse 31 Texte ausgewählt
wurden.
Bevor sich Armborst in seinem Buch der empirischen
Untersuchung widmet, präsentiert er – quasi als ersten, lohnenswerten
„Elefanten“ – eine konzise und fundierte Einführung zur Abgrenzungsdefinition
von Terrorismus (fokussiert auf dessen „kriminologische Anomalien“ und in
schlüssiger Einordnung in ein Spektrum politischer Gewalt) sowie zum Konzept
des Jihadismus insbesondere mit Blick auf den „Gotteskrieg“ als militärische
Doktrin, die sich nicht in der gefährlich simplen, gleichsam wohligen
diskursiven Differenzierung zwischen innerem und äußerem Jihad erschöpft.
Im zweiten, empirischen Teil (Kapitel 4, 5 und 6) entwickelt
der Autor seine Methodik, stellt das Untersuchungsdesign vor, ehe er die
Ergebnisse inhaltlich-interpretativ wie statistisch ausgewertet darlegt und
mithin al-Qaidas Ideologie nach ihren diagnostischen soziopolitischen
„Analysen“, den angebotenen und geforderten Zielen und vor allem der
strategischen und religiösen Instrumentalität und Legitimität von Gewalt
aufschlüsselt und die einzelnen Punkte untereinander in Beziehung setzt.
In Kapitel 7, eigentlich ein eigener Part, wird die propagierte
Weltanschauung der AQ-Zentrale mit der irakischer Jihadisten-Gruppen verglichen,
namentlich (bei Armborst) Ansar al-Sunna und al-Qaida im Irak (bzw. ISI –
Islamischer Staat im Irak; heute eher: ISIS – Islamischer Staat im Irak und
Syrien bzw. Irak und Levante). Dieser Teil / dieses Kapitel „Jihadism in Iraq“
überzeugt in Gänze im Gesamtkontext des Buches wenig, wirkt losgelöst, auch ein
wenig abschweifend. Von den knapp 45 Seiten verwendet der Autor mehr als die
Hälfte auf die Einführung in die Konfliktsituation und -faktoren im
Zweistromland sowie die Taktiken von AQI und ASS, derweil der
Ideologievergleich selbst nur relativen Erkenntnisgewinn bringt. Gleichwohl und
unabhängig vom restlichen Buch sind diese Irak-„Ausflüge“ allein und vor allem
in ihrer informativen Einführung in den Konflikt zu empfehlen.
Ein weiterer, unerwarteter Punkt mit hohem Eigenwert stellen
die im Anhang aufgeführten Textsegmente aus al-Qaida-Botschaften dar, rund 40
Seiten „Originalstimmen“. Armborst nutzt sie als Beleg- und
Anschauungsmaterial, allerdings stellen sie in ihrer Pointiertheit und durch
die Ordnung des Autors ein kleines systematisches Zitatennachschlagebuch dar,
das auch für eigene Arbeiten durchaus von vielfältigem Nutzen für den Leser sein
kann.
Der „fünfte Elefant“ sozusagen ist sehr speziell, gleichwohl
lobend herauszustellen. Es handelt sich dabei um die Darlegung des methodischen
Vorgehens, das für all jene interessant sein dürfte, die selbst
empirisch-quantitativ forschen wollen oder mit entsprechenden Analysen zu tun
haben. Neben der Darlegung des methodischen Vorgehens und des Designs in
Kapitel 4 reflektiert Armborst gewissenhaft in Anhang 1 das automatisierte
„concept mapping“ mit dem Text-Mining-Tool Leximancer, das er zusammen mit der
QDA-Software MAXQDA für die computergestützte Textanalyse verwendet – ein
Fallbeispiel, wie Digital Humanities auch im Bereich der
Terrorismus(propaganda)forschung und ähnlichen Bereichen vielversprechend
einsetzbar ist.
Allerdings hinterlässt Jihadi
Violence: A study of al-Qaeda’s media gerade hinsichtlich der theoretischen
Konzeption ein ambivalentes Gefühl beim Lesen. Das meint weniger die generelle
(und erneut hoch aktuelle Frage), inwiefern sich qualitative Inhalte sinnvoll
in „maschinenlesbare“ Daten (z.B. Wortfrequenzen) übersetzen oder aus solchen
heraus generell überzeugend oder zumindest gewinnbringend interpretieren
lassen. Dies ist ein alte Grundsatzdebatte in der Auseinandersetzung mit
menschlicher Kommunikation zwischen struktureller Regelverfasstheit, Symbolwissen
und Kontextsensibilität. Armborst selbst befasst sich nur am Rande mit dem
Problem, muss dies auch nicht, insofern er einen Methodenmix vorstellt, der
eben nicht nur quantitativ ist, sondern (wie ja praktisch jede quantitative
Studie überhaupt) auch – natürlich oder notgedrungen – qualitatives, wenn nicht
gar intuitives Vorgehen beinhaltet.
So ist es eher tatsächlich die starke Fokussierung auf die Empirie,
die die Lesefreundlichkeit des Buches im Hauptteil bisweilen einschränkt.
Insbesondere die gedanklich spannende, gleichwohl komplexe Darstellung der
thematischen Relationen (berechnet aufgrund etwa von Textüberlappungen)
erscheint valide, aber (vor allem in Form der Tabelle 5) doch etwas zahlenspielerisch
oder der reinen Forschungsprotokollarik geschuldet, zumal sowohl die Anzahl der
untersuchten AQ-Texte generell (was sowohl legitim wie üblich ist) relativ
klein ist, als auch die ausgewiesenen Prozentzahlen (und die Unterschiede
zwischen ihnen) wenig aufschlussreich jenseits ihrer selbst sind. Zumal, wenn
den Daten letztlich ohnehin ein vor allem „exploratives Codieren“ (S. 63)
zugrunde liegt.
Darüber hinaus scheint gerade der Vorteil der Studie, seine
empirische und methodische Absicherung, die sie von vergleichbaren
Untersuchungen abhebt, gleichzeitig sein eminentester Nachteil zu sein – nicht
in den Ergebnissen per se, sondern eben in deren Präsentation. Armborst
begründet den Methodenmix aus Diskurs-, Frame- und Inhaltsanalyse überzeugend; dieser wird als solcher freilich hernach kaum
mehr deutlich. Auch das ist freilich nun kein unbekanntes Phänomen. Problematischer
hingegen erscheinen die komplexen Strukturhierarchien, in die der Verfasser AQs
Ideologie textbezogen aufschlüsselt, und denen einmal mehr kluge Ideen zugrunde
liegen. Eine solche ist der Rückgriff auf die Social-Movement-Analysen Snow,
Benfords [2] u.a. unter Verwendung des Framing-Konzepts. Die grundlegende Idee
dahinter: Soziale Bewegungen (als deren extremer Teil auch schließlich
terroristische Organisationen gedacht werden können) haben u.a. zur Gewinnung
und zum Erhalt von Sympathien und Unterstützungen bestimmte kommunikative
Framing-Aufgaben zu erfüllen, quasi die Propagierung von Sichtweisen und
Interpretationsmustern [3].
Armborst entwirft davon ausgehend eine Aufschlüsselung von
AQs Ideologie in vier Kategorien. Diese sind – in absteigender Ordnung –: frames, narratives, themes und issues. Die vier Frames umfassen dabei
„social-political diagnosis“, „goals“, „jihadi doctrines & strategies“,
„reference system“ und schlüsseln sich entsprechend weiter auf; der
diagnostische Frame etwa in die Narrative „apostasy and collaboration“, „global
conflict“, „secular governance“. Hierbei stellen sich allerdings Fragen und
Schwierigkeiten, die teilweise begrifflicher Natur sind.
So bezeichnet der Autor „frames“ als eine „analytical unit
in an act of communication“ (S. 59) bzw. „nothing other than deductive codes
and categories (albeit with a defined theoretical underpinning) identified in
qualitative content analysis“ (S. 61), konzipiert sie aber theoretisch selbst darüber
hinaus nicht weiter (zumindest nicht ausführlich), was nicht zuletzt aufgrund
der transdisziplinären Begriffsunschärfe heikel ist. Was genau ein „Frame“ also
gerade als Oberkategorie meint, bleibt unklar auch deshalb, weil man – im Sinne
von „Interpretationsmustern“ – oftmals bestimmte Themen (oder Genres) als gegeben
voraussetzt, die dann eben „geframed“ (bzw. mit dem Muster belegt oder in eben
jenes eingepasst) werden. Robert Entmanns Gliederung der Leistung oder Funktion
eines Frames (Diagnose, Prognose etc.) sind hier in einzelne Frames
aufgeschlüsselt – wobei Frames hier ebenso wie bisweilen die nachgeordneten
Kategorien Unterschiedliches zu bezeichnen scheinen: Während der diagnostische und
prognostische Frame Aussagen (oder Aussagesysteme) fasst, bezieht sich der
„reference frame“ auf als Ressource vorhandene Medieninhalte, die zur
propagandistischen Situationsbeschreibung und der Kritik am Gegner herangezogen
werden.
Ein andere diskussionswürdige Kategorie in Armborsts Systematik
ist die der „narrative“ – ein ebenfalls, wenn nicht noch schwammigerer
disziplin- und bedeutungsfeldübergreifender Terminus, der als solcher von
Armborst nicht nur nicht definiert wird, sondern so divergentes
Inhaltlich-Thematisches wie „secular governance“, „goals & objectives“ oder
„appeals & advices“ umfasst, darüber hinaus aber auch Modales wie „humor,
sarcasm & irony“.
Eine sich ergebene, generell spannende und drängende Frage,
die der Autor leider nicht aufgreift, ist die nach dem Verhältnis von Erzählungen
und Frames. Etwa dahingehend, ob Narrative nicht eine bestimmte Form von Frames
bzw. des (prozesshaften) Framings darstellen. Und nicht zuletzt lassen sich die
konkreten Einordnungen in die entworfenen Kategorien diskutieren. Wäre „grievance“
nicht statt als „theme“ in den drei „narratives“ des soziopolitischen
Diagnoserahmens schlüssiger und gewinnbringender als eigenständige „narrative“
angelegt?
Diese Punkte sind hier allerdings gar nicht so sehr gegen
Armbrosts Systematik und seine Arbeit selbst so kritisch gerichtet wie es den Anschein
haben mag. Denn die Terminologiefrage ist eine des Details, in erster Linie vor
allem Ergebnis der analytischen Operationalisierung sowie die Systematik und
Systematisierung – das glaubt man gerne – Folge der Voruntersuchung des
Materials. Und letztlich versteckt sich hinter jeder Kategorisierung und
Strukturierung ohnehin zumindest ein spezifisches Erkenntnisinteresse, wenn
nicht gar überhaupt eine diskursive „Weltordnung“ in besonderer Form, so dass
gerade bei derlei sowohl de- wie rekonstruierenden Analysen keine
Einwandsfreiheit zu haben ist.
Was sich in den Schwierigkeiten der Strukturierung,
Kategorisierung und Auswertung maßgeblich zeigt, ist eine grundlegende
Herausforderung, die Armborsts Arbeit umso wichtiger werden lässt: die
Komplexität, die Vielgestalt und Mehrdimensionalität von Ideologie in ihrer
Propagierung, denen die Wissenschaft allein schon in der systematischen
Beschreibung nur schwer – oder lediglich ausschnitthaft – Herr wird. Ebenso wie
ein terroristischer Akt Unterschiedliches „bedeuten“ kann, stellt sich die
Ideologie-Praxis und -Ordnung insbesondere von terroristischen Organisationen
und Gruppierungen ein Gewebe an divergenten Reflexionsebenen und Sprechakten
dar, die sich dynamisch aufeinander beziehen. Glaubens- und Handlungsdoktrinen
sind verwoben mit Verheißungen und strategischen Kalkülen, mit „Analysen“ von
realweltlichen Gegebenheiten (oder den Deutungsvorgaben des Feindes – s.u.),
der Werbung um Aufmerksamkeit und Unterstützung, der Anleitungen zur Tat oder
Diffamierung konkurrierender Denkweisen und ihrer Vertreter sowie, nicht
zuletzt, der narrativen Selbstpositionierungen im diskursiven Geflecht. Dies
alles gerichtet an (und optimiert hin auf) unterschiedlichste Publika.
Amborsts Untersuchung ist denn auch deshalb so wichtig, weil
sie in dieses Dickicht (wie auch immer) fundiert eine Schneise schlägt und eine
Fülle wichtiger Einblicke und Erkenntnisse liefert, die den Blick schärfen und
etwa konternarrative Maßnahmen sinnvoll(er) werden lassen können – dabei auch
mit populären allzu einfachen Deutungsmustern aufräumt.
So kann der Autor klar die Unterscheidung zwischen dem
„nahen“ und „fernen Feind“, den „Apostaten“-Regierungen des Nahen und Mittleren
Ostens und den USA herausarbeiten, der Denkart und religiösen Begründung hinter
dieser Trennung – sowie der Rationalität oder doch zumindest Eigenlogik, die
die simple Vorstellung von Fanatismus oder Missinterpretation und Instrumentalisierung
religiöser Gebote und Texte aufseiten der Extremisten konterkariert. Auch die Erkenntnis,
dass für AQ selbst militante strategisch und taktische Misserfolge (gemessen an
den „praktischen“, politischen Folgen) noch einen religiösen Eigenwert haben
(oder dahingehend stets als Erfolg verbucht, ausgegeben oder „geframed“ werden
können), ist ein eminenter Befund, zeigt dies nicht nur den Unterschied zu
anderen, weltlich gestimmteren Organisationen und Gruppen in der Geschichte des
Terrorismus, sondern es bringt zudem die spezifische Gefährlichkeit und –
zumindest potenzielle, weltanschauliche – Dauerhaftigkeit auf einen Punkt.
Eine weiter verblüffende Einsicht (jedenfalls für mich): Wie
sehr AQ und seine Vordenker und Richtungsgeber nicht bloß selbstfokussierte
Demagogen sind, sondern durchaus den „war of ideas“ mit (gegen-)propagandistischen
Maßnahmen vor allem der USA als solchen registrieren, thematisieren und dabei /
dafür durchaus Analysen und Empfehlungen etwa des Think Tanks RAND Corporation
selbst wieder rhetorisch-argumentativ aufgreifend in ihre Statements einbauen,
reflektieren und, etwa als Belege für dessen
Propaganda, gegen den Gegner richten.
In diesem Sinne bietet Andreas Armborst mit Jihadi Violence: A study of al-Qaeda’s media
keine in sich völlig geschlossene, dafür aber in mehrerer Hinsicht
empfehlenswerte und erkenntnisreiche Lektüre.
Bernd Zywietz
[1] vgl. Matthes, Jörg (2009): What's in a Frame? A Content Analysis of Media Framing Studies in the
World's Leading Communication Journals, 1990-2005. In: Journalism & Mass Communication Quarterly, 86. Jg., Nr. 2,
349-367, hier: 355 f. Direkt mit der rechtsradikalen und radikalislamistischen
Web-Videos befasst die 2013 erschienene Studie der BKA Forschungsstelle
Terrorismus und Extremismus von Diana Rieger, Lena Frischlich und Gary Bente: Propaganda
2.0 – Psychological Effects of Right-Wing and Islamic Extremist Internet Videos
(Download als PDF HIER).
[2] etwas: Snow, David A. et al. (1986): Frame Alignment Processes,
Micromobilization and Movement Participation. In: American Sociological
Review, 51. Jg., Nr. 4, S. 464-481.
[3] ein weiterer eminenter, einsichtsvoller Text, auf den
sich Armborst stützt, gar weiterentwickelt, ist in dem Kontext (auch als
Leseempfehlung unbedingt empfohlen): Wiktorowicz, Quintan (2004): Framing Jihad: Intramovement Framing
Contests and al-Qaeda’s Struggle for Sacred Authority. In: International Review of Social History, 49
Jg., Supplement S12, S. 159-177.
28.07.2012
Buchtipp: Terrorismus als symbolisches Phänomen
In der Reihe „Bamberger Studien zu Literatur, Kultur und Medien“ ist neu
der Sammelband
Die Gewalt der Zeichen. Terrorismus
als symbolisches Phänomen, herausgegeben von Stefan Bronner und
Hans-Joachim Schott, erschienen. Ausgangspunkt ist die interdisziplinäre Tagung zum Phänomen des
symbolischen Terrorismus, die am 13. u. 14.11.2010 an der Fakultät für Geistes-
und Kulturwissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg stattfand.
Zum Inhalt heißt es:
„Seit der
radikalen Änderung der weltpolitischen Lage durch das Selbstmordattentat
islamistischer Terroristen auf die Supermacht U.S.A. am 11.9.01 versucht die
Weltöffentlichkeit, dem Phänomen des Terrorismus durch die verschiedensten
Erklärungsstrategien Herr zu werden. Man führt den Kampf der Kulturen oder
Religionen an, verweist auf die Ausbeutung der Peripherie des kapitalistischen
Weltsystems durch den Hegemon U.S.A. oder pathologisiert bzw. dämonisiert die
Taten der Terroristen. Uns scheinen diese Erklärungsstrategien den
Machtkonstellationen der postmodernen Gesellschaften nicht gerecht zu werden,
da sie ein zentrales soziales Phänomen der vergangenen Jahrzehnte nicht
beachten: das Unbehagen an der pluralistischen Gesellschaft und der
konsensuell-repräsentativen Demokratie. Um dieses Unbehagen angemessen
beschreiben zu können, wollen wir uns ihm aus einer zeichentheoretischen
Perspektive nähern, die soziale Formationen nicht durch (kooperative) Arbeit
determiniert sieht, sondern durch die Instanz des Codes. Für Jean Baudrillard
ist die Wahl des Ziels der beiden Türme bedeutend, die sich wechselseitig
reflektieren und das System nach allen Seiten hin abschließen. Mit ihnen wurde
das neuralgische Zentrum des Systems getroffen, das sich auf einem binären Code
gründet. Die Twintowers bedeuteten nicht nur das Ende jedweder originalen
Referenz, sondern auch den Abschluss des Bezeichneten durch die Wiederholung
des Zeichens. Der Code führt eine symbolische Verteilung der gesellschaftlichen
Körper durch und zielt auf eine möglichst genaue Übereinstimmung der
Gemeinschaft mit sich selbst gemäß eines arithmetischen und geometrischen
Kalküls. Die integrative Kraft dieses auf dem Identitätsprinzip basierenden
Systems scheint immer häufiger nicht mehr in der Lage zu sein, das negative
Potential antagonistischer Strategien binden zu können, die in Form von zivilem
Ungehorsam, Politik von Minoritäten oder terroristischen Akten die symbolische
Ordnung der westlichen Gesellschaften unterhöhlen. In diesem Tagungsband diskutieren
wir das Ausmaß der Krise der konsensuellen Demokratie und ihrer Institutionen.“
Beiträge
des Bandes befassen sich mit „symboltheoretischen Ansätzen der Terrorforschung“ (Bronner,
Schott), bieten eine „Textanalyse zu Terrorismus-Darstellungen in der
deutschen Boulevardpresse“ (Christian Schütte, Siegen) oder „Sprachlicher
Gewalt in der Boulevardpresse und ihre Folgen am Beispiel von Heinrich Bölls Die verlorene Ehre der Katharina Blum“
(Karen Juliane Wiedmann, Bamberg). Martin Rehfeldt (Bamberg) widmet sich der
Funktion von RAF-Bezügen in der Popkultur; Literatur von Brecht, Uwe Timm oder
Bernhard Schlink wird beispielhaft, als Bezugsfolie oder Dekonstruktion behandelt.
Was den Bereich Film betrifft finden sich Texte zu „palästinensischen
Selbstmordattentäter
im israelischen und palästinensischen Film“ (Anne Maximiliane
Jäger-Gogoll, Marburg/Siegen) und „zur Darstellung der Roten Armee Fraktion im
Film“ (Anja Schnabel, Paris).
Besonders schön: Den Reader der University of Bamberg
Press als pdf-Datei gibt es kostenlos zum Download HIER.
zyw
26.05.2012
Buchtipp: "Red on Silver" - Naxaliten im Kino
Just in Indien erschienen: Red on Silver. Naxalites in Cinema. Herausgegeben ist der Band von
Dr. Pradip Basur, der diese Tage zum Professor für Politikwissenschaften an der
University of Calcutta berufen wurde.
Der rund 460-seitige englischsprachige Band ist bei Setu
Prakashani (Kolkatta und Delhi) erschienen. In 27 Einzelbeträgen widmet sich
das Buch der (Re-)Präsentation der indischen Guerilla-Maoisten, den Naxaliten
im indischen Kino. Auch ich durfte, was eine große Ehre ist, etwas beitragen.
Aufgeteilt sind die Texte nach dem einführenden Überblick von
Kanchan Sarkar von der University of British Columbia („Naxalite Movement and Indian Cinema: A Political Analysis“) in die
Bereiche „Thematic“, „Historical“, „Particularistic“ und „Comparative“.
Eine kleine Auswahl von enthaltenen Beiträgen:
- Binayak Bhattacharya: „The
Rebellious Politics and Film Spectatorship: A Note on Bengali Popular Films Now.“
- Ananda Das Gupta: „The
Naxalite Movement, the Triology of Satyajit Ray and Beyond.“
- Debasis Poddar: „Celluloid
Narrative of Power-Plunder-Protest Syndrome: An Avant-garde Story of Ray’s ‚Hirak
Rajar Deshe‘“
- „Film and Naxalism:
A Case Study of ‚Haraaron Khwaishein Aisi‘“ von Radhakanta Barik
- Sukanta Acharyas „Represeting
a Fragmented Society: ‚Hazaar Chaurasi ki Maa‘“
- „Filming the Young
Brigade“ von Praskanva Sinharay
- Amitava Nag: „Reading
‚Red Alert – The War Within‘: A Convenient Reality.“
Das Buch ist deshalb so wertvoll, weil es sich – meines Wissens
– als erste und bislang einzige Publikation umfassend, ernsthaft und fundiert
mit dem Thema der Leinwandpräsenz von Naxalismus und der von ihm ausgehende
oder gegen ihn angewandte (Gegen-) Gewalt befasst.
Dabei stellt allein schon die einfachste Verweisfunktion von
Red on Silver eine kostbare Ressource
dar: Zumindest als Nicht-Inder, zumal „Westler“, hätte man nach Filmen bzw.
Filmtiteln wie ANKUR (1974) und NISHANT (1975) von Shyam Benegal, GRIHAYUDDHA
(1982) von Buddhadeb Dasgupta oder HERBERT (2006) von Suman Mukhopadhyay neben Mrinal
Sens Filme INTERVIEW (1970), CALCUTTA 71 (1972) und PADATIK (1973) sowie zwei
Teile von Satyajit Rays Kalkutta-Trilogie PRATIDWANDI (1970) und SEEMABADDHA
(1971) unter dem Gesichtspunkt der (konter-) sozialrevolutionären Krisen und
Konfrontationen lange und oftmals sicher ergebnislos suchen können.
Einen großen Wermutstropfen gibt es allerdings: Red on Silver. Naxalites in Cinema ist
wie die meisten indischen Publikationen nicht in Deutschland erhältlich, und
auch globale Unternehmen wie Amazon tun sich dahin gehend schwer, insbesondere
in puncto Fachbüchern, diese unsichtbare Ost-West-Schranke zu überwinden.
Pradip Basu (Hg.): Red on Silver. Naxalites in Cinema. Kolkatta / Delhi: Setu Prakashani. ca. 460 Seiten, ISBN: 978-93-80677-22-4. Erschienen im März 2012.
Bernd Zywietz
05.03.2012
Buch: "Gerechte Gewalt"

Daniel Meßelken, Mitbegründer des Netzwerks Terrorismusforschung und aktuell Research Assistant für Militärethik am Ethics Centre of the University of Zurich, hat seine Dissertation veröffentlicht. Thema ist die (potentielle) Gerechtigkeit von Gewalt.
Hier der Verlagstext:
Kriege, Terrorismus, Völkermord, humanitäre Interventionen und andere Formen kollektiver Gewalt sind in den letzten Jahren auch in der Philosophie verstärkt in den Blickwinkel gerückt. Dabei wurde der Tradition des »gerechten Krieges« neue Aufmerksamkeit zuteil und somit der Frage, ob und wann Kriege als »moralisch gerechtfertigt« bewertet werden können. Die grundlegendere Frage, wie »Gewalt« definiert werden kann, ist hingegen kaum beachtet worden.
Im Mittelpunkt des vorliegenden Buches steht die Frage nach Gründen für die moralische Rechtfertigung oder moralische Verurteilung gewaltsamen Handelns. Zur methodischen Vereinfachung wird nur so genannte interpersonale Gewalt, also der Einsatz von Gewalt durch genau eine Person gegen eine andere Person, betrachtet. Das Buch gliedert sich in drei Teile: Im ersten Teil wird die Idee vom »gerechten Krieg« vorgestellt und gezeigt, dass grundsätzlich auch heute noch an die klassischen Autoren angeknüpft werden kann. Der zweite Teil liefert einen Überblick über philosophische Positionen zum Begriff der Gewalt. Der dritte Teil führt die Ergebnisse zusammen und liefert (I) eine Explikation des Begriffs interpersonaler Gewalt und (II) einen Rahmen zur Bewertung verschiedener Fälle derartiger Gewalt. Damit eine konkrete Gewaltanwendung als gerechtfertigt gelten kann, muss sie einer Liste von Kriterien genügen.
Dieses Buch diskutiert die Bedingungen, die in Ausnahmesituationen vorliegen müssen, damit das prima facie-Verbot des Einsatzes von Gewalt situativ aufgehoben wird und Gewalt moralisch legitim sein kann.
Daniel Meßelken:
Gerechte Gewalt?
Zum Begriff interpersonaler Gewalt und ihrer moralischen Berwertung
mentis, 248 S., 32,- €
20.11.2011
Buchtipp: "Die Welt nach 9/11"

Knapp über tausend Seiten ist es stark, das "Sonderheft" Nr. 2/2011 der Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik, das sich, 10 Jahre nach dem 11. September 2001 mit den "Auswirkungen des Terrorismus auf Staatenwelt und Gesellschaft" befasst. Thomas Jäger, Professor für Internationale Politik und Außenpolitik der Universität Köln hat den vorzüglichen Wälzer herausgegeben und gliedert ihn in fünf Teile, die teilweise selbst wiederum unterteilt sind:
Im ersten geht es um "Akteure" - zunächst jenen in den USA, wobei hier u.a. die US-Sicherheitsarchitektur beleuchtet wird oder die neuralgische Grenze zu Mexiko oder die Rolle der Neokonservativen. Chistoph Schwarz und Peter Wichmann widmen sich je der Mobilisierungsstrategie von al-Qaida und ihrer Transformation zur globalen Bewegung. Weiterhin wird ein Blick nach Europa geworfen, Lateinamerika und auf den Nahe- und Mittlere Osten, wobei sich beispielsweise Malte Gaier mit dem "Frontstaat Pakistan" befasst.
Teil 2 widmet sich den Internationalen Beziehungen nach 9/11 unter dem Blickwinkel der internationalen Politik oder mit Fokus auf internationale Institutionen (UNO, NATO, EU).
Die letzten drei Teile klingen etwas luftiger: Transformation, Imagination und Spannungen, wobei sich in Teil 3 (eben den zu den "Transformationen") sich u.a. Hartmut Rensen mit dem Schutz der Grundrechte in Deutschland nach 9/11 beschäftigt und Anna Daun mit den Folgen des 11. Septembers für die Nachrichtendienste und deren Ausrichtung.
Teil 4, "Imaginationen" widmet sich den künstlerischen, kulturellen und medialen (Re-)Präsentationen: 9/11 und der Krieg gegen den Terrorismus im Kino (Samuel Rothenspieler), die Berichterstattung über die Anschläge im Fernsehen oder der 11. September in der deutschen Literatur (dazu je ein Text von Jennifer Clare und Michael König).
Teil 5, "Spannungen" lässt sich nicht ganz sauber von den anderen trennen. Auch hier geht es um Fragen des Rechts ("Freiheits- und Bürgerrechte nach 9/11" v. Andreas Busch) oder Medien (die digitale Propaganda der Tat - Andreas Elter u. Stephan Weichert; Kriegsjournalismus - Stephan Weichert, Leif Kramp u. Alexander Maschek - oder mediendiskursive Deutung des 11. September - Susanne Kirchhoff). Im Zentrum stehen hier aber meist Probleme in Form von Konfliken und Dilemmata, die wahlweise als Kollateral- oder Sekundärschäden von Terrorismus und Terrorismusreaktionen zu betrachten sind.
Die Welt nach 9/11. Auswirkungen des Terrorismus auf Staatenwelt und Gesellschaft ist ein in doppelter Hinsicht schwergewichtiger Band zur Analyse des 11. Septemer und mehr noch der Zeit danach. Gerade der (gleichwohl wohltuend eng gezurrte) Disziplin-Mix, der "harte" politische Untersuchungen und Strategieskizzierungen mit fundierten "weicheren" kulturellen Kultur- und Sozialbetrachtungen spannt einen überzeugenden ausgewogenen und sachlichen Bogen, wie ihn andere Bände zum Thema 9/11 oft vermissen lassen. Nicht weil diese einen fachlich engeren Blick wählen, sondern darin, innerhalb ihrer thematischen oder wissenschaftlichen Selbstbegrenzung zwecks Ausreizung des Feldes sich ohne Not und Gewinn zum Obskuren oder Fadenscheinigen hin verführen lassen.
Freilich: Ganz unvoreingenommen ist diese Kritik hier auch nicht, da auch von mir ein Text Jägers Band erschienen ist: In Zur Vorstellung der Gefahr. Terrorismus und Terrorismusspielfilme als Risikokommunikation (S. 741-770) geht einführend es um die Herausforderung des Terrorismus für die Risikokalkulation, -bewertung und -kommunikation sowie um die Frage, inwiefern Spielfilme nicht nur risikokommunikativ, sondern auch terrorismusrisikokommunikativ sein können.
Thomas Jäger (Hg.) (2011): Die Welt nach 9/11. Auswirkungen des Terrorismus auf Staatenwelt und Gesellschaft. (Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik – Sonderheft 2) Wiesbaden: UVK. € 49,95.
Das Buch können Sie HIER einfach und bequem in unserem Amazon-Shop bestellen.
04.08.2011
Buch: "Terrorismus - Philosophische und politikwissenschaftliche Essays"

Gerade neu erschienen ist ein Reader philosophischen und politologischen Betrachtungen des Phänomens Terrorismus.
Herausgegeben ist er von dem Philosophieprofessor Igor Primoratz sowie von Daniel Meßelken, zur Zeit Forschungsassistent am Ethikzentrum der Universiät Zürich (Bereich Militärethik) und Mitbegründer des Netzwerk Terrorismusforschung.
Der im Paderborner Mentis Verlag erschienene Band beinhaltet neben Texten der Herausgeber (Primoratz: "Der gegenwärtige Terrorismus aus der Sicht eines Philosophen", Meßelken: "Guerilla und Terrorismus — Formen des (gerechten) Krieges?") Beiträge unter anderem von
- Herfried Münkler ("Terrorismus als Kommunikationsstrategie. Die Botschaft des 11. September"),
- dem US-Politologen Robert A. Pape, Autoren von Dying to Win: The Strategic Logic of Suicide Terrorism (2005) ("Die strategische Logik des Selbstmordterrorismus") und
- dem nicht unumstrittenen analytischen Philosophen und Anthropologen Georg Meggle ("Terror & Gegen-Terror. Erste ethische Reflexionen"), den beispielsweise Leo Ginster u. Ingo Way auf Henryk M. Broders Website HIER nicht sonderlich mögen, Logiker der "T-Akte" (nicht zu verwechseln mit der "T-Aktie"!) und der - in dem von ihm herausgegebenen Sammelband des Mentis Verlags - 2003 eine eigene "Bilanz" des "Terrors & des Kriegs gegen ihn" veröffentlichte, welche, Ergebnis einer Ringvorlesung, als pdf HIER herunterzuladen ist.
***************************
Igor Primoratz/ Daniel Meßelken (Hrsg.):
Terrorismus. Philosophische und politikwissenschaftliche Essays.
Paderborn: mentis Verlag, 2011
24,80 Euro
[1] in: Georg Meggle (Hg.) (2003): Terror & Der Krieg gegen ihn. Öffentliche Reflexionen, Paderborn: Mentis, S. 293-309.
08.11.2010
Lesetipp: Die FAZ zu Linksterrorismus und dem passenden Buch dazu
"Die unsichtbaren linken Militanten überschätzen ihre Kraft: Eine kollabierende öffentliche Ordnung würde nicht von Deleuze lesenden Kommunarden verbessert, sondern durch eine Mafia regiert."
Ob Stuttgart 21, Castordemo oder Postbomben im Kanzleramt:
Nils Minkmar auf FAZ.net schreibt einen lesenswerten Artikel zu dem ominösen Linksradikalen-Buch (oder -Manifest) „Der kommende Aufstand“, das eine spannende Zeitbeschreibung liefert - oder selbst eine solche darstellt.
zyw
Ob Stuttgart 21, Castordemo oder Postbomben im Kanzleramt:
Nils Minkmar auf FAZ.net schreibt einen lesenswerten Artikel zu dem ominösen Linksradikalen-Buch (oder -Manifest) „Der kommende Aufstand“, das eine spannende Zeitbeschreibung liefert - oder selbst eine solche darstellt.
zyw
08.01.2010
Buch: "Analytische Filmografie" zum Terrorismus im US-Kino
Robert Cettle (2009): Terrorism in American Cinema. An Analytical Filmography, 1960-2008. Jefferson, NC / London: McFarland & Company. ISBN: 978-0-7864-4155-6
320 Seiten, Paperback.

Robert Cettle, freier australischer Autor, hat uns bereits ein Serienkillerfilmlexikon geschrieben – und vom geheimen Serial Killer zum Terroristen ist es in Sachen Schreckfigur gar nicht so weit: Das Ungeheuer, dass sich hinter der Fassade des braven Bürger und Nachbarn versteckt (der freilich „arabischer“ Herkunft zu sein scheint)…
Doch Cettle hat in Sachen Serienmörder wie jetzt in punkto Terrorismus ein nützliches und beachtliches Buch vorgelegt, wobei allerdings sein neues Werk einige Mängel aufweist, auf die es hinzuweisen gilt.
Auch in Terrorism in American Cinema führt in Sachen „Terrorismusfilm“ zunächst mit einem Text ein, der die Ursprünge und kinematographischen Entwicklungslinien nachzeichnet, die dem Terrorismuskino vorangehen oder es begleiten; Kontexte wie die James-Bond-Filme mit ihren Welterpressungen; Spionage- und Sabotagefilme, aber auch die jeweiligen politischen und historischen Konfliktlagen, die es stets mitzuberücksichtigen gilt, wenn es um Terrorismus geht. Bei angesichts der Kürze (rund 13, freilich eng bedruckte Seiten) aufschlussreich und bietet eine solide Verortung. Zugleich aber ergibt sich hieraus ein Manko, da Cettle sich – und so recht kann man ihm da nicht böse sein – sich um eine Terrorismusdefinition herumdrückt und, was schwerer wiegt, Sabotage und Erpressung allzu fahrlässig mit Terrorismus verschwimmen lässt.
Cetlle gerät auch wegen des breiten Terrorismus- (oder meinetwegen Terrorismus-Kino-) Verständnisses wie auch dem Genre-Sammelsurium recht bunt und ein kleinwenig, durchaus sympathisch wirr. Insbesondere, weil sich dieser Filmographie des Terrorismus im US-amerikanischen Kino auch Pontecorvos italienisch-algerischer LA BATTAGLIA DI ALGERI (1966) und QUEIMADA bzw. BURN (1969) – nicht aber OPERACIÓN OGRO (1979) – oder Neil Jordans THE CRYING GAME (1992) und MICHAEL COLLINS (1996).
Otto Premingers EXODUS (1960) und Attenboroughs GANDHI (1982) findet sich da zusammen mit Billig-Actionfilmen wie IRA: KING OF NOTHING (2006) oder dem TV-Film mit Chuck Norris THE PRESIDENT’S MAN (2000). Die DIE-HARD-Filme (1988 – 2007) stehen gleichauf mit Brian de Palmas HI, MOM! (1970), der Mediensatire NETWORK (in denen auch linke US-Terroristen auftauchen) und THE MANHATTEN PROJEKT (1986) (ein Schüler baut eine Atombombe und gerät darüber mit der Regierung aneinander).
Aus diesem Wirrwarr aus Großproduktionen und Direct-to-Video-Mumpitz, Polit- und Paranoiathrillern (z.B. Alan J. Pakulas THE PARALLAX VIEW (1974)), Actionspektakeln, Historiendramen, Comic-Adaptionen (SUPERMANN II - 1980), gar Dokumentation wie MacDonalds ONE DAY IN SEPTEMBER (1999) zur Münchner Olympiade-Geiselnahme und schließlich Antonionis ZABRISKIE POINT (1970) ein Genre kreiert zu sehen, ist nachgerade verblüffend und erfrischend. Einen diffuser Bedeutungs- und Stimmungsrahmen (re-)konstruiert Cettl dabei. Dass davon vieles wenig oder nur entfernt mit Terrorismus zu tun hat, ist offensichtlich.
Zugleich bzw. gerade dadurch bietet Terrorism in American Cinema eine spannende Querfeldeinreise: Gerade weil Cettl offensichtlich irgendwie alles, was er zufällig kannte, aufgreift, entdeckt man einem selbst noch Unbekanntes, werden seltene Querverbindungen gezogen (so wenn neben Pontecorvos LE BATTAGLIA DE ALGIERI auch Mark Robsons „ergänzende“ wie konträre Hollywood-Thematisierung des algerischen Unabhängigkeitskampfes, LOST COMMAND von 1966, behandelt ist) und generell die Leser vielleicht auch hinsichtlich des Konzeptes Terrorismus und seiner Ungenauigkeit gedanklich angeregt.
Hinzukommt, dass Cettle in den langen Beiträgen zu den Filmen diese stets einzuordnen sowie was spannend und bemerkenswert ist zu beschreiben und auf bodenständige Art zu analysieren weiß. Ebenso, wie er ebenso Mist auch als Mist benennt – und sich (und seinem Buch) trotzdem nicht zu schade ist, ihn aufzugreifen, weil er schlicht dazugehört (wozu letztlich auch immer) und als kulturelles Artefakt und sozialnarrativer Gegenstand wert ist, berücksichtigt zu werden.
Letztlich ist Cettles Terrorismus in American Cinema einerseits ein schon unverfrorenes Buch, andererseits trotzdem wie auch gerade deswegen empfehlenswert – oder zumindest einen Blick wert.
Empfehlenswerter weil profunder, analytischer und kontextualisierender ist jedoch Stephen Princes ebenfalls brandaktuelles Buch Firestorm: American Film in the Age of Terrorism, das sich freilich nur auf die US-Filme "rund um" den 11. September konzentriert und diese nicht für jeweils sich behandelt.
Terrorismus in American Cinema können Sie HIER einfach und bequem in unserem Online-Shop bestellen.
Bernd Zywietz
320 Seiten, Paperback.

Robert Cettle, freier australischer Autor, hat uns bereits ein Serienkillerfilmlexikon geschrieben – und vom geheimen Serial Killer zum Terroristen ist es in Sachen Schreckfigur gar nicht so weit: Das Ungeheuer, dass sich hinter der Fassade des braven Bürger und Nachbarn versteckt (der freilich „arabischer“ Herkunft zu sein scheint)…
Doch Cettle hat in Sachen Serienmörder wie jetzt in punkto Terrorismus ein nützliches und beachtliches Buch vorgelegt, wobei allerdings sein neues Werk einige Mängel aufweist, auf die es hinzuweisen gilt.
Auch in Terrorism in American Cinema führt in Sachen „Terrorismusfilm“ zunächst mit einem Text ein, der die Ursprünge und kinematographischen Entwicklungslinien nachzeichnet, die dem Terrorismuskino vorangehen oder es begleiten; Kontexte wie die James-Bond-Filme mit ihren Welterpressungen; Spionage- und Sabotagefilme, aber auch die jeweiligen politischen und historischen Konfliktlagen, die es stets mitzuberücksichtigen gilt, wenn es um Terrorismus geht. Bei angesichts der Kürze (rund 13, freilich eng bedruckte Seiten) aufschlussreich und bietet eine solide Verortung. Zugleich aber ergibt sich hieraus ein Manko, da Cettle sich – und so recht kann man ihm da nicht böse sein – sich um eine Terrorismusdefinition herumdrückt und, was schwerer wiegt, Sabotage und Erpressung allzu fahrlässig mit Terrorismus verschwimmen lässt.
Cetlle gerät auch wegen des breiten Terrorismus- (oder meinetwegen Terrorismus-Kino-) Verständnisses wie auch dem Genre-Sammelsurium recht bunt und ein kleinwenig, durchaus sympathisch wirr. Insbesondere, weil sich dieser Filmographie des Terrorismus im US-amerikanischen Kino auch Pontecorvos italienisch-algerischer LA BATTAGLIA DI ALGERI (1966) und QUEIMADA bzw. BURN (1969) – nicht aber OPERACIÓN OGRO (1979) – oder Neil Jordans THE CRYING GAME (1992) und MICHAEL COLLINS (1996).
Otto Premingers EXODUS (1960) und Attenboroughs GANDHI (1982) findet sich da zusammen mit Billig-Actionfilmen wie IRA: KING OF NOTHING (2006) oder dem TV-Film mit Chuck Norris THE PRESIDENT’S MAN (2000). Die DIE-HARD-Filme (1988 – 2007) stehen gleichauf mit Brian de Palmas HI, MOM! (1970), der Mediensatire NETWORK (in denen auch linke US-Terroristen auftauchen) und THE MANHATTEN PROJEKT (1986) (ein Schüler baut eine Atombombe und gerät darüber mit der Regierung aneinander).
Aus diesem Wirrwarr aus Großproduktionen und Direct-to-Video-Mumpitz, Polit- und Paranoiathrillern (z.B. Alan J. Pakulas THE PARALLAX VIEW (1974)), Actionspektakeln, Historiendramen, Comic-Adaptionen (SUPERMANN II - 1980), gar Dokumentation wie MacDonalds ONE DAY IN SEPTEMBER (1999) zur Münchner Olympiade-Geiselnahme und schließlich Antonionis ZABRISKIE POINT (1970) ein Genre kreiert zu sehen, ist nachgerade verblüffend und erfrischend. Einen diffuser Bedeutungs- und Stimmungsrahmen (re-)konstruiert Cettl dabei. Dass davon vieles wenig oder nur entfernt mit Terrorismus zu tun hat, ist offensichtlich.
Zugleich bzw. gerade dadurch bietet Terrorism in American Cinema eine spannende Querfeldeinreise: Gerade weil Cettl offensichtlich irgendwie alles, was er zufällig kannte, aufgreift, entdeckt man einem selbst noch Unbekanntes, werden seltene Querverbindungen gezogen (so wenn neben Pontecorvos LE BATTAGLIA DE ALGIERI auch Mark Robsons „ergänzende“ wie konträre Hollywood-Thematisierung des algerischen Unabhängigkeitskampfes, LOST COMMAND von 1966, behandelt ist) und generell die Leser vielleicht auch hinsichtlich des Konzeptes Terrorismus und seiner Ungenauigkeit gedanklich angeregt.
Hinzukommt, dass Cettle in den langen Beiträgen zu den Filmen diese stets einzuordnen sowie was spannend und bemerkenswert ist zu beschreiben und auf bodenständige Art zu analysieren weiß. Ebenso, wie er ebenso Mist auch als Mist benennt – und sich (und seinem Buch) trotzdem nicht zu schade ist, ihn aufzugreifen, weil er schlicht dazugehört (wozu letztlich auch immer) und als kulturelles Artefakt und sozialnarrativer Gegenstand wert ist, berücksichtigt zu werden.
Letztlich ist Cettles Terrorismus in American Cinema einerseits ein schon unverfrorenes Buch, andererseits trotzdem wie auch gerade deswegen empfehlenswert – oder zumindest einen Blick wert.
Empfehlenswerter weil profunder, analytischer und kontextualisierender ist jedoch Stephen Princes ebenfalls brandaktuelles Buch Firestorm: American Film in the Age of Terrorism, das sich freilich nur auf die US-Filme "rund um" den 11. September konzentriert und diese nicht für jeweils sich behandelt.
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Bernd Zywietz
26.11.2009
Buch: Araber im Actionfilm

Karin Gwinn Wilkins:
Home/Land/Security. What We Learn about Arab Communities from Action-Adventures. Lanham, MD: Lexington Books 2009.
ISBN: 978-0739127858
Karin Wilkins, Associate Professor an der Universität Texas, präsentiert in diesem rund 105 Seiten langen Bändchen die Ergebnisse ihrer Untersuchung zur Einschätzung von US-Actionfilmen, deren Darstellung des arabischen bzw. muslimischen Terroristen und der ideologische Kontextualisierung. Schon zuvor hat Wilkins dazu vorgetragen; entsprechende Papers, u.a. The Problem with Mediated Terrorism in US Action-Adventure Film: Explorations in Matters of Prejudice and Knowledge (präsentiert auf der Jahrestagung der International Communication Association in Dresden 2006) finden sich bei Allacademic.
Wilkins Ausgangspunkt ist kein neuer. Wie andere (z.B. Kathib) und in der Tradition des populären Vorstreiters gegen die Stereotypisierung von Arabern in den Medien und vor allem im Film, Jack Shaheen (auf die Wilkins auch verweist), geht sie von einem ideologischen vorgeprägten Bild des Arabers gemäß Edward Saids „Orientalismus“-Kritik aus. Dementsprechend bekannt sind die „Vorwürfe“: Neben der institutionalisierten Ideologie würden Medien ein simplifiziertes homogenes Araber-Bild konstruieren, das ihn irrational und als fremden „Anderen“ zeigt, wobei darin die westliche Überlegenheit behauptet wird. Die Darstellung der Araber würde sich so negativ – quasi im kollektiven Gedächtnis – festsetzen und Vorurteile bzw. Resentiments befördern, was insbesondere im Kontext von Terrorismus und Homeland Security eine Rolle spielt. Nach eigenen Angabe fragt Wilkins denn auch nach „the ways in which political power permeates about action-adventure-film, demonstrating how mediated Orientalism becomes manifest in the articulated discourse of the viewers“ (S. 23).
Für ihre Untersuchung hat Wilkins 63 Probanden in offenen Gesprächen über ihre Erfahrung, Meinung und Einstellung zu Actionfilmen befragt. In der Auswertung wird besonders dem Unterschied zwischen Arabisch-Stämmigen und non-Arab Americans Beachtung geschenkt; Zitate der transkribierten Aussagen verdeutlichen die jeweiligen Standpunkte.
Die Ergebnisse sind wenig überraschend: Arabisch-stämmige Probanden, weniger interessiert an Actionfilmen, stehen der Darstellung von Arabern (die meist die Rolle des Schurken übernehmen und Muslime sind) kritischere gegenüber, ebenso der Art der Präsentation des Nahen Ostens, der vereinheitlicht und als gefährlich gezeichnet erscheine. Entsprechend ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Arab Americans erzählerische Komplexität einfordern und die Terrorismusdarstellung als der U.S.-Politik gemäß erachten. Den meisten Probanden erscheint der Schurke wenig realistisch und vereinfacht, wobei non-Arab Americans die Stereotypisierung eher als generelles Problem betrachten. Die Helden werden meist als deutlich westlich konnotierte weiße Amerikaner und Einzelgängertypen erinnert. In die Richtung der Kultivierungs(hypo)these geht das Ergebnis, dass Personen, die mehr Actionfilme schauen, weniger Wissen über den Nahen Osten haben und die Region als bedrohlicher erachten.
Auch wenn die Anlage der Untersuchung, zu der Wilkins in ihrem Buch selbst wenig Angaben macht, die üblichen Vorbehalte produziert (geringe Anzahl der Probanden, alle sind sie Studenten), ist es zunächst einmal positiv zu vermerken, dass hier mit den Mitteln der Empirie der möglichen Medienpräsenz von Stereotypenzeichnungen zuleibe gerückt wird. Allerdings bietet Home/Land/Security nicht nur eine vielversprechende Wortspielerei als Titel, sondern leider auch einige Kritikpunkte, von denen manchen insofern schwer wiegen, als sie regelmäßig in der Debatte um die „‘Evil‘ Arabs“ (Semmerling) auftauchen, ohne oft und stark genug abgeklopft zu werden.
Zunächst bleibt die Frage, was Wilkins wirklich untersucht, wenn sie ihre Testpersonen über Filme diskutieren lässt: Was über arabische Communities zu in den Action-Adventure-Filmen zu lernen ist, sicher nicht, denn Wilkins beruft sich zwar auf andere Quellen, geht aber die Filme selbst nicht an. Vielmehr präsentiert sie Einschätzungen von Rezipienten, die über die spezifische Situation, die die Form der Untersuchung bietet, z.B. durch soziale Erwünschtheit getrübt sein mögen: Manch einer wird sich in der reflektierenden Situation der offenen Diskussionen kritischer zu den Filmen äußern, als er ihnen im Alltag begegnen mag. Letztlich präsentiert Wilkins also nur Ergebnisse zur Publikumswahrnehmung, die über eine Wirkung nichts aussagt.
Auch die Feststellung, Action-Fans wüssten weniger über den Nahe Osten Bescheid und würden ihn als gefährlicher einschätzen, krankt, wenn es um die implizite Schlussfolgerung geht, an der bekannten Frage der Wirkrichtung, wie sie auch für die Kultivierung von Medien im Bereich der Gewalt- bzw. „Gewalttätigkeits“darstellung eine Rolle spielt: Denn ebenso, wie American-Arabs Actionfilme weniger mögen, weil sie deren Verkürzung, Verzerrung und Vereinfachung stärker wahrnehmen, können Actionfans aufgrund mangelnden Wissens (und womöglich Interesses) die Filme eher genießen bzw. aufgrund einer entsprechenden Disposition sich extra diesen Inhalten zuwenden. Nicht die Filme beeinflussen zwangsläufig die Weltsicht, sondern vielleicht die Weltsicht die Medienauswahl.
Freilich dürfte eine Wechselwirkung von (Medien-)Wirklichkeit und (Film-)Fiktion anzunehmen sein – ausgehend von ihrem „Orientalismus“-Ansatz, dem Wilkins immerhin auch die Möglichkeit eines unbewussten Einschreibens der Ideologie in Institutionen und Medienerzählungen zugesteht, statt ihn mit den üblichen paranoiden Argumentationszügen zur „bewussten“ Propaganda der Herrschenden zu erklären und das Publikum als (einem) weitgehend passiv und dumm zu „verkaufen“.
Die Einwände der Studenten ergeben allerdings letztlich dieselben, die man auch bei den üblichen Autoren findet, die ohne Versuchsanordnung ein spezifisches Araber-Stereotyp feststellen. Dass dabei individuelle Einschätzungen dominieren, liegt ebenso auf der Hand, wie der Umstand nahezu banal ist, dass Araber bzw. Arabisch-Stämmige durchschnittlich aufmerksamer, wissender und sensibler hinsichtlich der eigenen Identität, Herkunft und ihrer Heterogenität sind. Vereinfachung und Vereinheitlichung nehmen mit der Distanz zum Gegenstand zwangsläufig zu.
Besonders traurig ist, dass und wie wenig Wilkins auf die Bedingungen und Bedingtheit des filmischen Erzählens selbst eingeht. Von Probanden selbst wird darauf verwiesen, sie selbst tut es als „Entschuldigungen“ (S. 6) ab: dass Actionfilme, zumindest eine Gewisse Art davon, von eindimensionalen und damit zwangsläufig (im weiteren Sinne) rassistischen Schurken lebt, um ein möglichst klaren, auch kognitiv einfachen Gut-Böse-Antagonismus zu gewinnen.
Nun stellt sich generell die Frage, wie schändlich der Actionfilm tatsächlich mit den Arabern selbst umgeht, d.h. inwieweit nicht Extremfälle herausgepickt werden, diese ernster gelesen werden, als sie letztlich beim Publikum ankommen und wie überhaupt auch die dem Genre möglichen Mittel des Gegensteuerns ausgenutzt werden – wobei gerade hier sich wieder das Problem auftut, wann man mit seiner Darstellung bzw. Narration angemessen ist.
Wilkins Lösungsvorschläge sind denn auch bezeichnend, auch wenn es sehr lobenswert ist, dass sie sich überhaupt der Frage, wie man es besser machen könnte, annimmt. In Teil 5 von Home/Land/Security entwickelt sie verschiedene Strategien, wie das allgemein negative Araber-Bild zu verbessern wäre. Allerdings fallen ihr zunächst nur Mittel wieder ein, die auf verstärkten Druck und Einflussnahme bei der Produktion hinauslaufen und den leichten, trotzdem unangenehmen Geruch der Zensur mit sich führen. Interessanter ist da schon die Idee, eine Art Parallelindustrie zu begründen, in denen andere Filme produziert und vertrieben werden, die parallel zum Mainstream ein alternatives Angebot darstellen.
Was das Genre, von dem sie ausgeht, selbst betrifft, gibt sie allerdings dann doch zu, dass vielleicht Actionfilme mit ihrem Anspruch und den entsprechenden Grenzen generell das falsche Genre für eine vielschichtige Repräsentation der arabischen Communities bieten und z.B. in Komödien dies besser gelingen könnte.
Das bedeutet letztlich aber doch auch wieder, das Kind mit dem Bade auszuschütten: Gerade Actionfilme nach dem 11. September, die in der Untersuchung keine Rolle spielen, zeigen, dass dieses ideologisch (vermeintlich) so wirkmächtige Genre durchaus Potential zum „Besseren“ aufweist – so wenn in TRAITOR (2008), wie in der TV-Serie Sleeper Cell, ein US-kritischer Muslim den Helden spielt oder sich Filme wie THE KINGDOM / OPERTION: KINGDOM (2007) oder BODY OF LIES / DER MANN, DER NIEMALS LEBTE (2008) bei aller ihrer Begrenztheit (vor allem THE KINGDOM) dem arabisch-muslimischen Schurken zumindest im Nahen Osten begegnen und dabei im Kleinen ein Gespür für soziale und politische Konstellationen geben können, wie sie Hollywood schon mal in den 1970ern bis zum Beginn des „Reagan“-Actionkinos interessierte.
Bernd Zywietz
Literatur:
Khatib, Lina (2006): Filming the Modern Middle East. Politics in the Cinema of Hollywood and the Arab World. London / New York: I.B. Tauris.
Said, Edward W. (2009): Orientalismus. Frankfurt: S. Fischer.
Semmerling, Tim Jon (2006): „Evil“ Arabs in American Popular Film. Orientalist Fear. Austin, TX: University of Texas Press.
Shaheen, Jack G. (1997): Arab and Muslim Stereotyping in American Popular Culture. Washington, D.C.: Center for Muslim-Christian Understanding: History and International Affairs, Edmund A. Walsh School of Foreign Service, Georgetown University.
Shaheen, Jack G. (2001): Reel Bad Arabs: How Hollywood Vilifies a People. New York: Olive Branch Press.
Home/Land/Security. What We Learn about Arab Communities from Action-Adventures. können Sie HIER in unserem Online-Shop bestellen, weiterführende bzw. genannten Literatur HIER.
30.08.2009
Buch: "9/11 als kulturelle Zäsur"
Sandra Poppe, Thorsten Schüttler, Sascha Seiler (Hg.):
9/11 als kulturelle Zäsur. Repräsentationen des 11. September 2001 in kulturellen Diskursen, Literatur und visuellen Medien.
Bielfeld: transcript Verlag, 2009. Ca. 340 Seiten. € 29,80

Auf dem Symposium „9/11 als kulturelle Zäsur“ der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität widmeten sich im Februar 2008 für zwei Tage Forscherinnen und Forscher aus dem Bereich der Kultur-, Kunst- und Kommunikations-, besonders aber Literaturwissenschaft den Anschlägen des 11. September und wie im kulturellen und künstlerischen Austausch damit bislang umgegangen wurde.
Wer diese nicht immer überzeugende, durchaus aber gewinnbringende Veranstaltung, die erschreckend wenig besucht war, verpasst hat, kann sich trösten. Der transcript Verlag hat dieses Jahr Texte der (oder zu den) einzelnen Vorträge(n) herausgegeben. Aufgeteilt in „Kulturelle Diskurse“, „Literatur“ und „Visuelle Medien“ ist dies eine angenehm unrunde Sammlung geworden, die als solche eine Bereicherung zum „überpublizierten“ Thema „11. September 2001“ darstellt. Gerade weil sie sich eher von den Rändern dem monströsen Datum nähert.
Das Niveau schwankt inhaltlich wie sprachlich, wie das bei derartigen Sammelbänden üblich ist; vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Karsten Wind Meyhoffs „Kontrafaktische Kartierungen. Verschwörungstheorie und der 11. September“ ist kaum mehr als eine Verschriftlichung seiner Vortragsworte und bleibt gerade angesichts des eindrucksvollen Titels dürftig, insofern kaum mehr geboten wird als eine Präsentation was es unter anderem im Paranoia-Umfeld von 9/11 so gibt, angereichert mit etwas spartanischen Allgemeinplätzen als Erklärungen. Die Literaturliste ist beredt genug.
Vorzüglich hingegen ist u.a. Thorsten Schüllers Beitrag über „Kulturtheorien nach 9/11“, der bei aller Kürze aufschluss- und kenntnisreich die Herausforderung der al-Qaida-Attentate für die diversen „turns“ der Kulturwissenschaft (postcolonial, translationalen, literary und iconic) herausarbeitet und damit einen kritischen Blick auf die Disziplin und den einen oder anderen ihrer Elfenbeintürme wirft.
Lars Koch wiederum spürt in „Nach 9/11: Die postsäkulare Gesellschaft und ihre neokonservativen Widersacher“ eben letztgenannten nach, darunter Otto Deppenheuer und Udo di Fabio, sowie ihrem Gegendiskurs bzw. der „Rückkehr der Religion“.
FAZ-Journalist Thomas Thiel hielt es während Kochs Vortrag kaum auf dem Stuhl, warf ihm u.a. den wenig durchdachten Umgang mit dem Begriff Feuilleton vor, bekam schließlich fast das Mikro abgenommen und schrieb schließlich einen vom Autor dieser Zeilen leider nicht gelesenen Bericht in eben jener Frankfurter Allgemeinen Zeitung (25. Februar 2008) – jenem Blatt, dessen Herausgeber Schirrmacher Koch mit als einen der „Widersacher“ nennt. In seiner ersten Fußnote im Buch schießt Koch nun bissig zurück, doch wie so oft hatte und hat man das Gefühl, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt. Hinsichtlich des von Koch ausgemachten Diskurses, der neben den üblichen Buchpublikationen seiner Meinung nach „vorzugsweise in den Feuilletons der Zeitungen Die Welt, Rheinischer Merkur und FAZ ausgetragen“ (S. 44) würden, mag dahingestellt sein, wie repräsentativ und möglicherweise dieser politisch unvoreingenommen daherkommt und -kommen kann. Auf jeden Fall aber hätte ein Mehr an medientheoretischer Überlegungen zur Funktion der Feuilletons (Debatten-Arena oder Weltbeschreibung) gutgetan. Gleichwohl erscheint Kochs Text im Buch fundierter, vielleicht gar etwas vorsichtiger im positiven Sinne (alles eine rein subjektive Einschätzung des Autors dieser Zeilen), und neben den übrigen Beobachtungen als engagierte Wortmeldung ein Gewinn. Einen Hendryk M. Broder als Haudrauf zwischen Koch und Thiel wünschte man sich freilich heute immer noch so sehr wie damals…
Im Bereich der Literatur widmet sich Christina Rickly überblicksweise den US-amerikanischen 9/11-Romanen als Trauer- und Traumageschichten, derweil Heide Reinhäckel sich deutschen Autoren und „ihren“ Städten wie Ulrich Peltzers mit seinem Bryant Park und Katharina Hacker mit Die Habenichtse annimmt. Christoph Deupmann wiederum spürt der Erzählbarkeit des 11. September nach („Versuchte Nähe. Vom Ereignis des 11. September zum Ereignis des Textes“). „Bemerkungen zur romanesken Darstellung des 11. September 2001 in der französischen Literatur“ macht Véronique Porra, während Ursula Henningfeld näher auf Windows of the World des Skandalier-Autoren Frédéric Beigbeders eingeht.
Etwas ungelenk wird unter „Visuelle Medien“ alles andere gepackt, auch Anneka Esch-Van Kans Text zur „Politik der Bilder“ im amerikanischen Post-9/11-Theater. Dass und wie sehr der 11. September einer festgefügten Erzählung folgt bzw. zu folgen hat, macht eindringlich Wim Peeters deutlich, der quasi unstatthaftes Bildmaterial und literarische Äquivalente vorstellt, die eine Alltagsnormalität zum Thema haben, die ebenso „verboten“ scheint, wie angesichts des Schreckens doch auch herbeigewünscht.
Zwei Texte widmen sich Bildgeschichten – Jonas Engelman der Verarbeitung des 11. September in den Comics von Art Spiegelman und Peter Kuper; Stephan Packard der 9/11-Allegorisierung in der das „Marvel“-Superheldenuniversum umspannenden Civil War-Reihe. Von „Trivialkunst“ sollte man dabei allein schon deshalb nicht sprechen, geschweige denn mit der Nase rümpfen, weil Packard unter Rückgriff auf Charles S. Pierces u.a. eine „kleine Semiotik der Zäsur“ vorlegt und damit etwas an theoretischer Konzeption vorlegt, die dem Buch mehr als guttut. Positiv ist auch zu vermerken, dass Packard Civil War als (eigenständiges) Ausnahmephänomen vorstellt, in die 9/11 quasi hereinbricht.
Auch Thomas Waitz erklärt in seinem Beitrag „Die Frage der Bilder. 9/11 als filmisch Abwesendes“ die Reaktion auf 9/11 als Verhandlung einer bereits bestehenden Krise – diesmal der des Kinos. Seine These lautet dabei, „dass in den filmischen Repräsentationen von 9/11 notwendigerweise Fragen nach dem Status des Medialen verhandelt werden“ (S. 224), wobei es weniger um ein Darstellungsverbot geht, sondern um die Suche nach Alternativ-(Nicht-)Bildern. Tatsächlich – Waitz arbeitet es aus – ist 9/11 hinsichtlich seiner Darstellbarkeit doppelt problematisch: durch die Katastrophen-Vor-Bilder des Kinos zum einen und die „filmischen“ Originalbilder der in die Twin Towers rasenden Flugzeuge zum anderen scheinen kollektive Leerstellen überbesetzt. Freilich überzeugt Waitz nur bedingt, wenn er Mike Binders REIGN OVER ME (dt.: DIE LIEBE IN MIR, USA 2006) und Spike Lees 25TH HOUR (USA 2002) als 9/11-Filme vorstellt, die sie von der Trauerarbeit und Ratlosigkeit künden (und es in 25 HOUR gar „zu einer narrativen Verhandlung der Folgen des 11. September kommt“ – S. 233). Dies mag durchaus sein, gleichwohl bleibt sich die Frage, inwieweit dies so (auch hinsichtlich der einzelnen Filme) repräsentativ und auf den 9/11 ausgerichtet ist, dass dieser eindeutig wirksam, verarbeitet oder zum wie auch immer gearteten Gegenstand würde. Was ist hier Krise des Erzählens, was die der allgemeinen Zeit?
Andererseits bemerkt Waitz, dass ein „großer“ Film noch ausstehe, der die Anschläge in ihrer politischen Bedeutung fokussiere; auch Oliver Stones WORLD TRADE CENTER (USA 2006) nehme die symbolische Bedeutung nur beiläufig war und entfalte umso mehr ein Narrativ, „das die Politik des Terrors okkasionalistisch adressiert“ (S. 227).
Überlegenswert ist jedoch, wie die Heldenstory, die Stone bietet, nicht gerade doch auch ein politischer Kommentar zum Terror ist – eine Art Antwort, die sich einer Politisierung der Attentate verweigern will. Waitz stellt selbst fest, dass man sich relativ schnell des 9/11 im Kino annahm, doch das verwundert weniger, betrachtet man das „Wie“. So erzählen die Filme, und nicht nur sie, den 11. September vor allem und fast ausschließlich als eine Katastrophe, ihrer Krise(n), Traumata und Bewältigungen – nähern sich also nur indirekt oder, nun ja, gar nicht, sondern bleiben schockiert mit dem (nun nicht gebotenen) Blick auf die brennenden Türme.
Auch Waitz – wie überhaupt das ganze Buch – thematisieren die Attacken nicht wirklich als monströse aber menschliche Gewalttat, als Verbrechen und terroristische(n) Akt(e), sondern als gewaltiges Ereignis ohne Präzedenz und damit ohne Geschichte. Die Autoren befinden sich damit in bester Gesellschaft. Nicht zuletzt folgen sie legitim den kulturellen Artefakten, die sie untersuchen und lassen sich so auf jene Diskurse ein, die sie analysieren. Freilich: Vor der Urgewalt und Singularität philosophiert es sich – gerade bildtheoretische bzw. semiotisch – prächtig, die Narrative „9/11“ aber selbst wird weitgehend nur be- nicht hinterfragt. Ebenso wie die verführerische und unrelativierte Behauptung, die TV-Katastrophenbilder seien durch das Kino schon längst vorher gelernt und gelehrt worden. Als ob das für keine andere individuelle oder kollektiv nie geschaute Monstrosität, aber auch Alltäglichkeit, gälte…
Bei aller Güte des Buches bleibt so doch ein leicht fader Geschmack, weil sich letztlich hier – allerdings mehr als sonst zwangsläufig – so wenig darum gekümmert wird, wie tief der Einschnitt des „9/11“ von diesem „Event“ selbst ausgeht.
Sandra Poppe, Thorsten Schüttler, Sascha Seiler (Hg.): 9/11 als kulturelle Zäsur. Repräsentationen des 11. September 2001 in kulturellen Diskursen, Literatur und visuellen Medien. Bielfeld: transcript Verlag, 2009.

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9/11 als kulturelle Zäsur. Repräsentationen des 11. September 2001 in kulturellen Diskursen, Literatur und visuellen Medien.
Bielfeld: transcript Verlag, 2009. Ca. 340 Seiten. € 29,80

Auf dem Symposium „9/11 als kulturelle Zäsur“ der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität widmeten sich im Februar 2008 für zwei Tage Forscherinnen und Forscher aus dem Bereich der Kultur-, Kunst- und Kommunikations-, besonders aber Literaturwissenschaft den Anschlägen des 11. September und wie im kulturellen und künstlerischen Austausch damit bislang umgegangen wurde.
Wer diese nicht immer überzeugende, durchaus aber gewinnbringende Veranstaltung, die erschreckend wenig besucht war, verpasst hat, kann sich trösten. Der transcript Verlag hat dieses Jahr Texte der (oder zu den) einzelnen Vorträge(n) herausgegeben. Aufgeteilt in „Kulturelle Diskurse“, „Literatur“ und „Visuelle Medien“ ist dies eine angenehm unrunde Sammlung geworden, die als solche eine Bereicherung zum „überpublizierten“ Thema „11. September 2001“ darstellt. Gerade weil sie sich eher von den Rändern dem monströsen Datum nähert.
Das Niveau schwankt inhaltlich wie sprachlich, wie das bei derartigen Sammelbänden üblich ist; vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Karsten Wind Meyhoffs „Kontrafaktische Kartierungen. Verschwörungstheorie und der 11. September“ ist kaum mehr als eine Verschriftlichung seiner Vortragsworte und bleibt gerade angesichts des eindrucksvollen Titels dürftig, insofern kaum mehr geboten wird als eine Präsentation was es unter anderem im Paranoia-Umfeld von 9/11 so gibt, angereichert mit etwas spartanischen Allgemeinplätzen als Erklärungen. Die Literaturliste ist beredt genug.
Vorzüglich hingegen ist u.a. Thorsten Schüllers Beitrag über „Kulturtheorien nach 9/11“, der bei aller Kürze aufschluss- und kenntnisreich die Herausforderung der al-Qaida-Attentate für die diversen „turns“ der Kulturwissenschaft (postcolonial, translationalen, literary und iconic) herausarbeitet und damit einen kritischen Blick auf die Disziplin und den einen oder anderen ihrer Elfenbeintürme wirft.
Lars Koch wiederum spürt in „Nach 9/11: Die postsäkulare Gesellschaft und ihre neokonservativen Widersacher“ eben letztgenannten nach, darunter Otto Deppenheuer und Udo di Fabio, sowie ihrem Gegendiskurs bzw. der „Rückkehr der Religion“.
FAZ-Journalist Thomas Thiel hielt es während Kochs Vortrag kaum auf dem Stuhl, warf ihm u.a. den wenig durchdachten Umgang mit dem Begriff Feuilleton vor, bekam schließlich fast das Mikro abgenommen und schrieb schließlich einen vom Autor dieser Zeilen leider nicht gelesenen Bericht in eben jener Frankfurter Allgemeinen Zeitung (25. Februar 2008) – jenem Blatt, dessen Herausgeber Schirrmacher Koch mit als einen der „Widersacher“ nennt. In seiner ersten Fußnote im Buch schießt Koch nun bissig zurück, doch wie so oft hatte und hat man das Gefühl, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt. Hinsichtlich des von Koch ausgemachten Diskurses, der neben den üblichen Buchpublikationen seiner Meinung nach „vorzugsweise in den Feuilletons der Zeitungen Die Welt, Rheinischer Merkur und FAZ ausgetragen“ (S. 44) würden, mag dahingestellt sein, wie repräsentativ und möglicherweise dieser politisch unvoreingenommen daherkommt und -kommen kann. Auf jeden Fall aber hätte ein Mehr an medientheoretischer Überlegungen zur Funktion der Feuilletons (Debatten-Arena oder Weltbeschreibung) gutgetan. Gleichwohl erscheint Kochs Text im Buch fundierter, vielleicht gar etwas vorsichtiger im positiven Sinne (alles eine rein subjektive Einschätzung des Autors dieser Zeilen), und neben den übrigen Beobachtungen als engagierte Wortmeldung ein Gewinn. Einen Hendryk M. Broder als Haudrauf zwischen Koch und Thiel wünschte man sich freilich heute immer noch so sehr wie damals…
Im Bereich der Literatur widmet sich Christina Rickly überblicksweise den US-amerikanischen 9/11-Romanen als Trauer- und Traumageschichten, derweil Heide Reinhäckel sich deutschen Autoren und „ihren“ Städten wie Ulrich Peltzers mit seinem Bryant Park und Katharina Hacker mit Die Habenichtse annimmt. Christoph Deupmann wiederum spürt der Erzählbarkeit des 11. September nach („Versuchte Nähe. Vom Ereignis des 11. September zum Ereignis des Textes“). „Bemerkungen zur romanesken Darstellung des 11. September 2001 in der französischen Literatur“ macht Véronique Porra, während Ursula Henningfeld näher auf Windows of the World des Skandalier-Autoren Frédéric Beigbeders eingeht.
Etwas ungelenk wird unter „Visuelle Medien“ alles andere gepackt, auch Anneka Esch-Van Kans Text zur „Politik der Bilder“ im amerikanischen Post-9/11-Theater. Dass und wie sehr der 11. September einer festgefügten Erzählung folgt bzw. zu folgen hat, macht eindringlich Wim Peeters deutlich, der quasi unstatthaftes Bildmaterial und literarische Äquivalente vorstellt, die eine Alltagsnormalität zum Thema haben, die ebenso „verboten“ scheint, wie angesichts des Schreckens doch auch herbeigewünscht.
Zwei Texte widmen sich Bildgeschichten – Jonas Engelman der Verarbeitung des 11. September in den Comics von Art Spiegelman und Peter Kuper; Stephan Packard der 9/11-Allegorisierung in der das „Marvel“-Superheldenuniversum umspannenden Civil War-Reihe. Von „Trivialkunst“ sollte man dabei allein schon deshalb nicht sprechen, geschweige denn mit der Nase rümpfen, weil Packard unter Rückgriff auf Charles S. Pierces u.a. eine „kleine Semiotik der Zäsur“ vorlegt und damit etwas an theoretischer Konzeption vorlegt, die dem Buch mehr als guttut. Positiv ist auch zu vermerken, dass Packard Civil War als (eigenständiges) Ausnahmephänomen vorstellt, in die 9/11 quasi hereinbricht.
Auch Thomas Waitz erklärt in seinem Beitrag „Die Frage der Bilder. 9/11 als filmisch Abwesendes“ die Reaktion auf 9/11 als Verhandlung einer bereits bestehenden Krise – diesmal der des Kinos. Seine These lautet dabei, „dass in den filmischen Repräsentationen von 9/11 notwendigerweise Fragen nach dem Status des Medialen verhandelt werden“ (S. 224), wobei es weniger um ein Darstellungsverbot geht, sondern um die Suche nach Alternativ-(Nicht-)Bildern. Tatsächlich – Waitz arbeitet es aus – ist 9/11 hinsichtlich seiner Darstellbarkeit doppelt problematisch: durch die Katastrophen-Vor-Bilder des Kinos zum einen und die „filmischen“ Originalbilder der in die Twin Towers rasenden Flugzeuge zum anderen scheinen kollektive Leerstellen überbesetzt. Freilich überzeugt Waitz nur bedingt, wenn er Mike Binders REIGN OVER ME (dt.: DIE LIEBE IN MIR, USA 2006) und Spike Lees 25TH HOUR (USA 2002) als 9/11-Filme vorstellt, die sie von der Trauerarbeit und Ratlosigkeit künden (und es in 25 HOUR gar „zu einer narrativen Verhandlung der Folgen des 11. September kommt“ – S. 233). Dies mag durchaus sein, gleichwohl bleibt sich die Frage, inwieweit dies so (auch hinsichtlich der einzelnen Filme) repräsentativ und auf den 9/11 ausgerichtet ist, dass dieser eindeutig wirksam, verarbeitet oder zum wie auch immer gearteten Gegenstand würde. Was ist hier Krise des Erzählens, was die der allgemeinen Zeit?
Andererseits bemerkt Waitz, dass ein „großer“ Film noch ausstehe, der die Anschläge in ihrer politischen Bedeutung fokussiere; auch Oliver Stones WORLD TRADE CENTER (USA 2006) nehme die symbolische Bedeutung nur beiläufig war und entfalte umso mehr ein Narrativ, „das die Politik des Terrors okkasionalistisch adressiert“ (S. 227).
Überlegenswert ist jedoch, wie die Heldenstory, die Stone bietet, nicht gerade doch auch ein politischer Kommentar zum Terror ist – eine Art Antwort, die sich einer Politisierung der Attentate verweigern will. Waitz stellt selbst fest, dass man sich relativ schnell des 9/11 im Kino annahm, doch das verwundert weniger, betrachtet man das „Wie“. So erzählen die Filme, und nicht nur sie, den 11. September vor allem und fast ausschließlich als eine Katastrophe, ihrer Krise(n), Traumata und Bewältigungen – nähern sich also nur indirekt oder, nun ja, gar nicht, sondern bleiben schockiert mit dem (nun nicht gebotenen) Blick auf die brennenden Türme.
Auch Waitz – wie überhaupt das ganze Buch – thematisieren die Attacken nicht wirklich als monströse aber menschliche Gewalttat, als Verbrechen und terroristische(n) Akt(e), sondern als gewaltiges Ereignis ohne Präzedenz und damit ohne Geschichte. Die Autoren befinden sich damit in bester Gesellschaft. Nicht zuletzt folgen sie legitim den kulturellen Artefakten, die sie untersuchen und lassen sich so auf jene Diskurse ein, die sie analysieren. Freilich: Vor der Urgewalt und Singularität philosophiert es sich – gerade bildtheoretische bzw. semiotisch – prächtig, die Narrative „9/11“ aber selbst wird weitgehend nur be- nicht hinterfragt. Ebenso wie die verführerische und unrelativierte Behauptung, die TV-Katastrophenbilder seien durch das Kino schon längst vorher gelernt und gelehrt worden. Als ob das für keine andere individuelle oder kollektiv nie geschaute Monstrosität, aber auch Alltäglichkeit, gälte…
Bei aller Güte des Buches bleibt so doch ein leicht fader Geschmack, weil sich letztlich hier – allerdings mehr als sonst zwangsläufig – so wenig darum gekümmert wird, wie tief der Einschnitt des „9/11“ von diesem „Event“ selbst ausgeht.
Sandra Poppe, Thorsten Schüttler, Sascha Seiler (Hg.): 9/11 als kulturelle Zäsur. Repräsentationen des 11. September 2001 in kulturellen Diskursen, Literatur und visuellen Medien. Bielfeld: transcript Verlag, 2009.

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30.07.2009
LITERATUR
Hier finden Sie Literaturinformationen zum Thema Terrorismus allgemein sowie, spezieller, zum Bereich Terrorismus im Film.
Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie wird laufend erweitert und aktualisiert. Falls doch einige Angaben (z.B. zur Verfügbarkeit oder der Auflagenaktualität) nicht bzw. nicht mehr korrekt sein sollten, bitte ich dies zu entschuldigen. Auf im Internet frei zugängliche Quellen habe ich verlinkt – dabei übernehme ich gemäß des auf der Startseite aufgeführten rechtlichen Hinweises keine Verantwortung für die Inhalte der Links.
Für Fragen und Anregungen wenden Sie sich bitte an: terrorismusfilm(at)gmail.com
Besuchen Sie auch unseren Online-Shop. Mit jedem Einkauf unterstützen Sie das Projekt "Terrorismus & Film".
(Stand: 26. Februar 2010)
Einführungen und Grundlagen:
Beermann, Torsten (2004): Der Begriff „Terrorismus“ in deutschen Printmedien. Eine empirische Studie. Münster: LIT Verlag.
Casebeer, William D. / Russell, James A. (2005): Storytelling and Terrorism: Towards a Comprehensive ‘Counter-Narrative Strategy‘. In: Strategic Insights, 4. Jg., Nr. 3. Online HIER
Daase, Christopher (2001): Terrorismus – Begriffe, Theorien und Gegenstrategien. Ergebnisse und Probleme sozialwissenschaftlicher Forschung. In: Friedenswarte, 76. Jg., H. 1, S. 55 – 79.
Hoffman, Bruce (2006): Terrorismus – der unerklärte Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt. Frankfurt a. M.: S. Fischer.
Juergensmeyer, Mark (2004): Terror im Namen Gottes. Ein Blick hinter die Kulissen des gewalttätigen Fundamentalismus. Freiburg / Basel / Wien: Herder.
Laqueur, Walter (1977): Terrorismus. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
Richardson, Louise (2007): Was Terroristen wollen. Die Ursachen der Gewalt und wie wir sie bekämpfen können. Bonn: Bundeszentrale f. politische Bildung (Lizenzausgaben; eigentl.: Franfurt a. M.: Campus).
Schmid, Alex (2004): Terrorism – The Definitional Problem. In: Case Western Reserve Journal of International Law. 36. Jg., Nr. 2/3, S. 375 – 419.
Zum „Neuen“ Terrorismus / Jihadismus:
Berger, Lars (2007): Die USA und der islamistische Terrorismus. Herausforderungen im Nahen und Mittleren Osten. Paderborn u.a.O.: Ferdinand Schöningh.
Bobbitt, Philip (2008): Terror and Consent. The Wars for the Twenty-first Century. London: Allen Lane.
Musharbash, Yassin (2006): Die neue al-Qaida. Innenansichten eines lernenden Netzwerks. Köln: Kiepenheuer & Witch
The National Commission on Terrorist Attacks upon the United States (2004): The 9/11 Commission Report. Online als pdf-Datei HIER
Schneckener, Ulrich (2006): Transnationaler Terrorismus. Charakter und Hintergründe des „neuen“ Terrorismus. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
Terrorismus und Medien
Curtis, Liz (1998): Ireland: The propaganda war. The British media and the ‚battle for hearts and minds’. Belfast: Sásta
Elter, Andreas (2007): Propaganda der Tat. Die RAF und die Medien. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
Paletz, David L. / Schmid, Alex (Hg.) (1992): Terrorism and the Media. Newbury Park, CA.: Sage
Steinseifer, Martin (2008): Zwischen Bombenterror und Baader-Story. Terrorismus als Medienereignis. In: Martin Klimke / Joachim Scharloth (Hg.): 1968. Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. (Lizenzausgabe v. Stuttgart 2007: Metzler/Poeschel), S. 289 – 301.
Wilkins, Karin (2006): The Problem with Mediated Terrorism in US Action-Adventure Film: Explorations in Matters of Prejudice and Knowledge. (Paper presented at the annual meeting of the International Communication Association, Dresden International Congress Centre, Dresden am 24. Juni 2006. Online über Allacademics
Woods, Joshua (2007): What We Talk about When We Talk about Terrorism: Elite Press Coverage of Terrorism Risk from 1997 to 2005. In: The Harvard International Journal of Press/Politics, 12. Jg., Nr. 3, S. 3 – 20.
Terrorismus und Film
Barton, Ruth (2002): Jim Sheridan. Framing the Nation. Dublin: The Liffey Press. (Zu den Filmen IN THE NAME OF THE FATHER / IM NAMEN DES VATRERS u. THE BOXER / DER BOXER)
Bleicher, Joan Kristin (2003): Terror made in Hollywood. In: Hitzler, Ronald / Reichertz, Jo (Hg.): Irritierte Ordnung. Die gesellschaftliche Verarbeitung von Terror. Konstanz: UVK, S. 157 – 171.
Chakravarty, Sumita S. (2005): Fragmenting the Nation: Images of Terrorism in Indian Popular Cinema. In: David J. Slocum (Hg.): Terrorism, Media, Liberation. New Brunswick / New Jersey / London, S. 232 – 247.
Diken, Bülent / Laustsen, Carsten Bagge (2005): 9/11 as a Hollywood Fantasy. In: p.o.v., Nr. 20 (Dezember): Terrorism and Film and other media. S. 41 – 50.
Donnelly, Kevin J. (2000): The Policing of Cinema: Troubled Film Exhibition in Northern Ireland. In: Historical Journal of Film, Radio and Television, 20. Jg., Nr. 3, S. 385 – 396.
Guynn, William (2006): Writing History in Film. New York / London: Routledge.
ANM.: Nicht direkt zum Thema Terrorismus - jedoch eine generelle tiefgehende Abhandlung zum Verhältnis filmfiktionaler Darstellung, Wirklichkeit und Historiographie. Lesenswert, wenn es um den Anspruch und Anforderungen von "Wahrheit" von filmischem Terrorismus geht.
Hill, John (2006): Cinema and Northern Ireland. Film, Culture, Politics. London: BFI.
Hißnauer, Christian (2002): Politik der Angst. Terroristische Kommunikationsstrategien im Film. In: Marcus Stiglegger (Hg.): Kino der Extreme. Kulturanalytische Studien. St. Augustin: Gardez, S. 248 – 270.
Kathib, Lina (2006): Filming the Modern Middle East. Politics in the Cinema of Hollywood and the Arab World. London / New York: I.B. Tauris.
Lettenewitsch, Nattalie / Mang, Nadine-Carina (2002): Helden und Gespenster. Die RAF untot auf der Leinwand. In: Ästhetik und Kommunikation. Politik im deutschen Kino. Nr. 117, S. 29 – 34.
McAlister, Melani (2005): Iran, Islam, and the Terrorist Threat, 1979 – 1989. In: David J. Slocum (Hg.): Terrorism, Media, Liberation. New Brunswick / New Jersey / London, S. 137 – 170.
McIlroy, Brian (2001): Shooting to Kill. Filmmaking and the „Troubles“ in Northern Ireland. Richmond, British Columbia: Stevenson Press (durchgesehene u. aktualisierte kanadische Erstauflage).
Prince, Stephen (2009): Firestorm. American Film in the Age of Terrorism. New York / Chichester: Columbia University Press.
Rockett, Kevin (2004): Irish Film Censorship. A Cultural Journey From Silent Cinema to Internet Pornography. Dublin: Four Courts Press.
Schäfer, Horst / Schwarzer, Wolfgang (1991): Von „Che“ bis „Z“. Polit-Thriller im Kino. Frankfurt a. M.: Fischer.
Scheffer, Bernd (2004): „... wie im Film“. Der 11. September und die USA als Teil Hollywoods“. In: Matthias N. Lorenz (Hg.): Narrative des Entsetzens. Künstlerische, mediale und intellektuelle Deutungen des 11. September 2001. Würzburg: Königshausen & Neumann, S. 81 – 103.
Schneider, Thomas (2008): Der 11. September 2001 im amerikanischen Kino. Zur filmischen Verarbeitung eines kollektiven Traumas. Marburg: Tectum.
Schröder, Gottfried (1994): Nordirland im Film. In: Jürgen Elvert (Hg.): Nordirland in Geschichte und Gegenwart / Northern Ireland – Past and Present. Stuttgart: Franz Steiner, S. 469 – 486.
Semmerling, Tim Jon (2006): „Evil“ Arabs in American Popular Film. Orientalist Fear. Austin, TX: University of Texas Press.
Treverton, Gregory, F. et. al. (2009): Film Piracy, Organized Crime, and Terrorism. Santa Monica, CA / Arlington, VA / Pittsburgh, PA: RAND Corporation. Unter: http://www.rand.org/pubs/monographs/2009/RAND_MG742.pdf (Letzter Zugriff: 20.10.2009):
Uka, Walter (2006): Terrorismus im Film der 70er Jahre: Über die Schwierigkeiten deutscher Filmemacher beim Umgang mit der realen Gegenwart. In: Klaus Weinhauer/Jörg Requate/Heinz-Gerhard Haupt (Hg.): Terrorismus in der Bundesrepublik. Medien, Staat und Subkulturen in den 1970er Jahren, Frankfurt a. M: Campus, S. 382-398.
Vanhala, Helena (2005): Hollywood Portrayal of Modern International Terrorism in Blockbuster Action-Adventure Films. From the Iran Hostage Crisis to September 11, 2001.
(unveröffentl. Dissertation, School of Journalism and Communication and the Graduate School of the University of Oregon)
Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie wird laufend erweitert und aktualisiert. Falls doch einige Angaben (z.B. zur Verfügbarkeit oder der Auflagenaktualität) nicht bzw. nicht mehr korrekt sein sollten, bitte ich dies zu entschuldigen. Auf im Internet frei zugängliche Quellen habe ich verlinkt – dabei übernehme ich gemäß des auf der Startseite aufgeführten rechtlichen Hinweises keine Verantwortung für die Inhalte der Links.
Für Fragen und Anregungen wenden Sie sich bitte an: terrorismusfilm(at)gmail.com
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(Stand: 26. Februar 2010)
Einführungen und Grundlagen:
Beermann, Torsten (2004): Der Begriff „Terrorismus“ in deutschen Printmedien. Eine empirische Studie. Münster: LIT Verlag.
Casebeer, William D. / Russell, James A. (2005): Storytelling and Terrorism: Towards a Comprehensive ‘Counter-Narrative Strategy‘. In: Strategic Insights, 4. Jg., Nr. 3. Online HIER
Daase, Christopher (2001): Terrorismus – Begriffe, Theorien und Gegenstrategien. Ergebnisse und Probleme sozialwissenschaftlicher Forschung. In: Friedenswarte, 76. Jg., H. 1, S. 55 – 79.
Hoffman, Bruce (2006): Terrorismus – der unerklärte Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt. Frankfurt a. M.: S. Fischer.
Juergensmeyer, Mark (2004): Terror im Namen Gottes. Ein Blick hinter die Kulissen des gewalttätigen Fundamentalismus. Freiburg / Basel / Wien: Herder.
Laqueur, Walter (1977): Terrorismus. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
Richardson, Louise (2007): Was Terroristen wollen. Die Ursachen der Gewalt und wie wir sie bekämpfen können. Bonn: Bundeszentrale f. politische Bildung (Lizenzausgaben; eigentl.: Franfurt a. M.: Campus).
Schmid, Alex (2004): Terrorism – The Definitional Problem. In: Case Western Reserve Journal of International Law. 36. Jg., Nr. 2/3, S. 375 – 419.
Zum „Neuen“ Terrorismus / Jihadismus:
Berger, Lars (2007): Die USA und der islamistische Terrorismus. Herausforderungen im Nahen und Mittleren Osten. Paderborn u.a.O.: Ferdinand Schöningh.
Bobbitt, Philip (2008): Terror and Consent. The Wars for the Twenty-first Century. London: Allen Lane.
Musharbash, Yassin (2006): Die neue al-Qaida. Innenansichten eines lernenden Netzwerks. Köln: Kiepenheuer & Witch
The National Commission on Terrorist Attacks upon the United States (2004): The 9/11 Commission Report. Online als pdf-Datei HIER
Schneckener, Ulrich (2006): Transnationaler Terrorismus. Charakter und Hintergründe des „neuen“ Terrorismus. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
Terrorismus und Medien
Curtis, Liz (1998): Ireland: The propaganda war. The British media and the ‚battle for hearts and minds’. Belfast: Sásta
Elter, Andreas (2007): Propaganda der Tat. Die RAF und die Medien. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
Paletz, David L. / Schmid, Alex (Hg.) (1992): Terrorism and the Media. Newbury Park, CA.: Sage
Steinseifer, Martin (2008): Zwischen Bombenterror und Baader-Story. Terrorismus als Medienereignis. In: Martin Klimke / Joachim Scharloth (Hg.): 1968. Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. (Lizenzausgabe v. Stuttgart 2007: Metzler/Poeschel), S. 289 – 301.
Wilkins, Karin (2006): The Problem with Mediated Terrorism in US Action-Adventure Film: Explorations in Matters of Prejudice and Knowledge. (Paper presented at the annual meeting of the International Communication Association, Dresden International Congress Centre, Dresden am 24. Juni 2006. Online über Allacademics
Woods, Joshua (2007): What We Talk about When We Talk about Terrorism: Elite Press Coverage of Terrorism Risk from 1997 to 2005. In: The Harvard International Journal of Press/Politics, 12. Jg., Nr. 3, S. 3 – 20.
Terrorismus und Film
Barton, Ruth (2002): Jim Sheridan. Framing the Nation. Dublin: The Liffey Press. (Zu den Filmen IN THE NAME OF THE FATHER / IM NAMEN DES VATRERS u. THE BOXER / DER BOXER)
Bleicher, Joan Kristin (2003): Terror made in Hollywood. In: Hitzler, Ronald / Reichertz, Jo (Hg.): Irritierte Ordnung. Die gesellschaftliche Verarbeitung von Terror. Konstanz: UVK, S. 157 – 171.
Chakravarty, Sumita S. (2005): Fragmenting the Nation: Images of Terrorism in Indian Popular Cinema. In: David J. Slocum (Hg.): Terrorism, Media, Liberation. New Brunswick / New Jersey / London, S. 232 – 247.
Diken, Bülent / Laustsen, Carsten Bagge (2005): 9/11 as a Hollywood Fantasy. In: p.o.v., Nr. 20 (Dezember): Terrorism and Film and other media. S. 41 – 50.
Donnelly, Kevin J. (2000): The Policing of Cinema: Troubled Film Exhibition in Northern Ireland. In: Historical Journal of Film, Radio and Television, 20. Jg., Nr. 3, S. 385 – 396.
Guynn, William (2006): Writing History in Film. New York / London: Routledge.
ANM.: Nicht direkt zum Thema Terrorismus - jedoch eine generelle tiefgehende Abhandlung zum Verhältnis filmfiktionaler Darstellung, Wirklichkeit und Historiographie. Lesenswert, wenn es um den Anspruch und Anforderungen von "Wahrheit" von filmischem Terrorismus geht.
Hill, John (2006): Cinema and Northern Ireland. Film, Culture, Politics. London: BFI.
Hißnauer, Christian (2002): Politik der Angst. Terroristische Kommunikationsstrategien im Film. In: Marcus Stiglegger (Hg.): Kino der Extreme. Kulturanalytische Studien. St. Augustin: Gardez, S. 248 – 270.
Kathib, Lina (2006): Filming the Modern Middle East. Politics in the Cinema of Hollywood and the Arab World. London / New York: I.B. Tauris.
Lettenewitsch, Nattalie / Mang, Nadine-Carina (2002): Helden und Gespenster. Die RAF untot auf der Leinwand. In: Ästhetik und Kommunikation. Politik im deutschen Kino. Nr. 117, S. 29 – 34.
McAlister, Melani (2005): Iran, Islam, and the Terrorist Threat, 1979 – 1989. In: David J. Slocum (Hg.): Terrorism, Media, Liberation. New Brunswick / New Jersey / London, S. 137 – 170.
McIlroy, Brian (2001): Shooting to Kill. Filmmaking and the „Troubles“ in Northern Ireland. Richmond, British Columbia: Stevenson Press (durchgesehene u. aktualisierte kanadische Erstauflage).
Prince, Stephen (2009): Firestorm. American Film in the Age of Terrorism. New York / Chichester: Columbia University Press.
Rockett, Kevin (2004): Irish Film Censorship. A Cultural Journey From Silent Cinema to Internet Pornography. Dublin: Four Courts Press.
Schäfer, Horst / Schwarzer, Wolfgang (1991): Von „Che“ bis „Z“. Polit-Thriller im Kino. Frankfurt a. M.: Fischer.
Scheffer, Bernd (2004): „... wie im Film“. Der 11. September und die USA als Teil Hollywoods“. In: Matthias N. Lorenz (Hg.): Narrative des Entsetzens. Künstlerische, mediale und intellektuelle Deutungen des 11. September 2001. Würzburg: Königshausen & Neumann, S. 81 – 103.
Schneider, Thomas (2008): Der 11. September 2001 im amerikanischen Kino. Zur filmischen Verarbeitung eines kollektiven Traumas. Marburg: Tectum.
Schröder, Gottfried (1994): Nordirland im Film. In: Jürgen Elvert (Hg.): Nordirland in Geschichte und Gegenwart / Northern Ireland – Past and Present. Stuttgart: Franz Steiner, S. 469 – 486.
Semmerling, Tim Jon (2006): „Evil“ Arabs in American Popular Film. Orientalist Fear. Austin, TX: University of Texas Press.
Treverton, Gregory, F. et. al. (2009): Film Piracy, Organized Crime, and Terrorism. Santa Monica, CA / Arlington, VA / Pittsburgh, PA: RAND Corporation. Unter: http://www.rand.org/pubs/monographs/2009/RAND_MG742.pdf (Letzter Zugriff: 20.10.2009):
Uka, Walter (2006): Terrorismus im Film der 70er Jahre: Über die Schwierigkeiten deutscher Filmemacher beim Umgang mit der realen Gegenwart. In: Klaus Weinhauer/Jörg Requate/Heinz-Gerhard Haupt (Hg.): Terrorismus in der Bundesrepublik. Medien, Staat und Subkulturen in den 1970er Jahren, Frankfurt a. M: Campus, S. 382-398.
Vanhala, Helena (2005): Hollywood Portrayal of Modern International Terrorism in Blockbuster Action-Adventure Films. From the Iran Hostage Crisis to September 11, 2001.
(unveröffentl. Dissertation, School of Journalism and Communication and the Graduate School of the University of Oregon)
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